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Acer und Linux: Wenn das BIOS den Bootloader einfach löscht

Es ist schon wieder ein ältere Acer Aspire Laptop. Und es ist schon wieder ein nerviges Stolperstein-Abenteuer. Diesmal mit einer besonders hinterhältigen Eigenart: Das BIOS löscht den Linux-Bootloader-Eintrag einfach bei jedem Neustart wieder raus. Der Workaround dafür ist eher ein Hack als eine saubere Lösung. Aber er funktioniert.

Die Ausgangslage

Ein Acer Aspire, Dualboot-Wunsch eines Kunden: Windows soll bleiben, Linux Mint kommt dazu. Die Installation läuft sauber durch, Secure Boot war aktiviert mit MOK-Enrollment, alles wie es sein soll. Der Installer meldet Erfolg, Neustart, und... Windows bootet direkt. Kein GRUB, kein Bootmenü, kein gar nichts. Als wäre Linux nie installiert worden.

Im BIOS nachgeschaut: Kein Linux-Eintrag vorhanden. (würde im übrigen"ubuntu" heissen, auch wenn Mint installiert ist — das ist der interne Name, den der Shim-Bootloader nutzt.) Nur Windows Boot Manager.

Also gut, nochmal. Mint-Stick rein, neu installiert, diesmal ganz genau auf alles geachtet: EFI-Partition korrekt gemountet, Bootloader-Installation auf die richtige Platte, MOK-Enrollment sauber durchgezogen. Installer meldet wieder Erfolg. Neustart. Windows.

Okay, dann eben manuell. Live-Stick booten, per chroot ins installierte System einhängen, GRUB neu installieren:

sudo mount /dev/nvme0n1p5 /mnt
sudo mount /dev/nvme0n1p1 /mnt/boot/efi
sudo mount --bind /dev /mnt/dev
sudo mount --bind /proc /mnt/proc
sudo mount --bind /sys /mnt/sys
sudo chroot /mnt
grub-install --target=x86_64-efi --efi-directory=/boot/efi --bootloader-id=ubuntu
update-grub

Alles läuft fehlerfrei durch. Ein Blick auf die EFI-Partition bestätigt: GRUB liegt sauber in /EFI/ubuntu/, shimx64.efi, grubx64.efi, grub.cfg — alles da, wo es hingehört. Mit efibootmgr -v einen Eintrag manuell angelegt. Alles sieht gut aus.

Neustart. Windows.

Wieder ins BIOS: Der Eintrag, den wir gerade mit efibootmgr erstellt haben, ist weg. Einfach nicht da. Wir legen ihn nochmal an, Neustart — wieder weg. Das Ganze ein paar Mal wiederholt, in der Hoffnung, dass wir irgendwo einen Fehler machen. Falsche Hoffnung.

An diesem Punkt — nach drei Neuinstallationen, mehreren chroot-Sessions und gefühlt einem Dutzend efibootmgr-Aufrufen — haben wir angefangen zu recherchieren, ob es da vielleicht ein bekanntes Problem gibt.

Was wir fanden, war ernüchternd.

Das Problem: Acer und das NVRAM

Einige ältere und auch neuere Acer-Modelle haben eine ziemlich spezielle UEFI-Firmware, die bei jedem Boot alle EFI-Boot-Einträge, die nicht von Microsoft stammen, einfach aus dem NVRAM löscht. Das ist kein Bug, das ist quasi "as designed". Ihr könnt efibootmgr hundertmal ausführen, die Einträge sind beim nächsten Boot wieder weg.

Ein bekanntes Problem, das seit Jahren in diversen Foren dokumentiert ist. Und genau der Grund, warum ich später unten noch ein paar Worte dazu verlieren werde.

Der Workaround: GRUB als Windows tarnen

Wenn das BIOS nur Microsoft-Einträge akzeptiert, dann machen wir GRUB eben zu Microsoft. Die Idee: Wir ersetzen die Windows-Bootloader-Datei bootmgfw.efi durch GRUB. Das BIOS denkt, es startet Windows, startet aber in Wahrheit GRUB, und von dort aus können wir dann sowohl Linux als auch Windows booten.

Schritt 1: Live-Stick booten

Von einem Linux-Live-Stick booten (Mint, Ubuntu, SystemRescue — egal). Bei Acer müsst ihr beim Einschalten F12 drücken, um ins Boot-Menü zu kommen, und dort den Stick auswählen.

Kleiner Hinweis aus eigener Erfahrung: Falls ihr vorher schon eine Linux-Installation versucht habt und ihr jetzt beim Booten vom Stick eine Fehlermeldung wie Failed to open \EFI\BOOT\mmx64.efi - Not Found bekommt, dann sitzen noch kaputte MOK-Variablen im NVRAM. In dem Fall hilft oft ein Stick ohne Shim (z.B. SystemRescue) oder Ventoy.

Schritt 2: EFI-Partition mounten

Im Live-System ein Terminal öffnen und die EFI-Partition mounten. Mit lsblk oder sudo fdisk -l herausfinden, welche Partition die EFI-Partition ist (meist eine kleine ~500MB FAT32-Partition, oft /dev/nvme0n1p1 oder /dev/sda1).

sudo mkdir -p /mnt/efi
sudo mount /dev/nvme0n1p1 /mnt/efi
ls /mnt/efi/EFI/

Ihr solltet dort mindestens Microsoft und einen ubuntu-Ordner sehen (bei Mint heisst er auch ubuntu).

Schritt 3: Windows-Bootloader sichern

Ganz wichtig: Bevor ihr irgendwas überschreibt, die originale Windows-Bootloader-Datei sichern. Ohne Backup kommt ihr nicht mehr an Windows ran.

sudo cp /mnt/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi /mnt/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi.bak

Schritt 4: GRUB als Windows-Bootloader einsetzen

Jetzt kopieren wir GRUB an die Stelle, wo Windows eigentlich seinen Bootloader hat:

sudo cp /mnt/efi/EFI/ubuntu/shimx64.efi /mnt/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi

Falls ihr Secure Boot nicht nutzt oder den Shim-Stress vermeiden wollt, geht auch direkt GRUB:

sudo cp /mnt/efi/EFI/ubuntu/grubx64.efi /mnt/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi

Schritt 5: GRUB-Konfiguration anpassen

Damit GRUB nachher auch Windows als Boot-Option anzeigt, müssen wir ihm sagen, wo der echte (gesicherte) Windows-Bootloader liegt. In die /etc/grub.d/40_custom auf eurem Linux-System (per chroot oder nach dem ersten erfolgreichen GRUB-Boot) folgendes einfügen:

menuentry "Windows 10/11" {
    insmod part_gpt
    insmod fat
    insmod chain
    search --no-floppy --fs-uuid --set=root <UUID-der-EFI-Partition>
    chainloader /EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi.bak
}

Die UUID bekommt ihr mit sudo blkid. Danach:

sudo update-grub

Schritt 6: Neustart

Neustart, und siehe da: GRUB erscheint, ihr könnt Linux und Windows auswählen, die Welt ist wieder in Ordnung.

Was ihr wissen solltet: Der Hack ist fragil

Das Ganze ist, ehrlich gesagt, eine Frickelei. Es funktioniert, aber es hat zwei Schwachstellen, die ihr kennen solltet:

Normale Kernel-Updates sind unkritisch. Ein apt upgrade mit Kernel-Update ruft intern nur update-grub auf, das ändert nur die grub.cfg und lässt die EFI-Dateien in Ruhe. Hier müsst ihr nichts befürchten.

Aufpassen bei grub-install. Wenn das Paket grub-efi-amd64 selbst aktualisiert wird (kommt selten vor) oder ihr grub-install manuell ausführt, dann schreibt GRUB seine EFI-Datei wieder brav nach /EFI/ubuntu/ und der getarnte Windows-Pfad wird nicht aktualisiert. Schlimmstenfalls bootet danach wieder Windows direkt und ihr müsst die Datei erneut nach /EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi kopieren.

Windows-Updates sind das grössere Risiko. Kumulative Updates sind meist unproblematisch, aber grössere Feature-Updates (z.B. jährliche Hauptversionen) können bootmgfw.efi durch den echten Windows-Bootloader ersetzen. Dann ist GRUB weg und ihr bootet wieder direkt in Windows. Fix: Live-Stick, nochmal kopieren.

Tipp: Legt euch ein kleines Skript an, das die GRUB-Datei wieder an den Microsoft-Pfad kopiert. Spart euch im Notfall Tipperei.

Warum Acer aus unserem Shop geflogen ist

An dieser Stelle wird es vielleicht klar, warum ihr in unserem Shop keine Acer-Geräte mehr findet. Solche Sonderlocken im BIOS, kaputte MOK-Handling, NVRAM-Einträge die einfach gelöscht werden — das ist genau der Stress, den wir uns, und unseren Kunden nicht zumuten wollen. Wer ein Linux-Gerät kauft, soll es auspacken, einschalten und damit arbeiten können. Nicht stundenlang EFI-Dateien durch die Gegend kopieren oder BIOS-Quirks recherchieren.

Deswegen setzen wir auf Hersteller wie Lenovo, HP und Asus, bei denen Linux zuverlässig und ohne Frickelei läuft. Das erspart uns und euch eine Menge Kopfschmerzen. Günstige Acer-Modelle mögen auf den ersten Blick verlockend aussehen, aber die versteckten Kosten in Form von Zeit und Frust rechnen sich am Ende einfach nicht.

Fazit

Wenn ihr einen älteren Acer habt und Linux nebenher installieren wollt, kommt ihr um diesen Workaround oft nicht herum. Er funktioniert, aber er ist ein Hack, kein sauberer Dualboot. Wer Linux stressfrei nutzen möchte, greift beim nächsten Laptop-Kauf lieber zu einer Marke, bei der das BIOS einfach seinen Job macht — und nicht versucht, Linux aktiv auszusperren.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit Acer gemacht? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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Ein Kommentar

  1. Oh Gott Acer …
    Hatte vor Jahren mal ein Laptop von Bekannten zum Richten bekommen – ein Acer.
    Da kam man nicht einmal ins BIOS. Das war passwortgeschützt und nicht raus zu bekommen wie man da rein kommt. Bootreihenfolge umstellen? Fehlanzeige. Sowas ist absolutes nogo und eine Frechheit! Wenn die den selber „aus Versehen“ geschützt hätten. Nein, das war werkseitig so gemacht! Auch von mir: Acer – nein danke. Der Stress ist es nicht wert.

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