ElectRS vs ElectrumX vs Fulcrum
Wer einen Electrum Server selber hosten will, hat drei ernsthafte Möglichkeiten: electrs, ElectrumX und Fulcrum. Alle drei erledigen denselben Auftrag. Sie beantworten eurer Wallet die Frage, welche Transaktionen zu euren Adressen gehören – und zwar so, dass diese Frage nicht bei einem fremden Server landet, der daraus ein Bewegungsprofil eurer Finanzen bauen könnte. Unterschiedlich ist nur, wie viel Festplatte, Rechenzeit und Geduld sie dafür verlangen. Drei Programme, ein Auftrag, und drei sehr verschiedene Vorstellungen davon, wie viel Plattenplatz ein Mensch entbehren kann.
Dieser Artikel ist am 30. August 2026 überarbeitet worden. Die Versionsstände, der Platzbedarf und der Pflegezustand der drei Projekte haben sich seit der Erstfassung deutlich verschoben, und der oft zitierte Geschwindigkeitsvergleich von Sparrow ist inzwischen über vier Jahre alt. Beides steht weiter unten im Detail.

Electrum Server selber hosten: was der Dienst leistet und was er voraussetzt
Ein Electrum Server ist die Brücke zwischen eurer Wallet und der Blockchain. Leichte Wallets laden nicht die gesamte Kette herunter, sondern fragen einen Server: Welche Transaktionen gehören zu diesen Adressen, und wie viele Bestätigungen haben sie? Genau diese Frage verrät alles – wer sie beantwortet, kennt eure Adressen. Deshalb ist der eigene Server kein Bastelprojekt, sondern der Unterschied zwischen einem privaten und einem beobachteten Wallet. Die Sparrow Wallet arbeitet so, ebenso die BitBox02 von Shift Crypto, für die wir eine eigene Anleitung zur Verbindung mit einer Raspiblitz Full Node haben.
Der Server selbst rechnet nichts nach. Er baut aus den Daten einer eigenen Bitcoin Full Node einen Suchindex über alle Adressen auf, damit die Antwort in Millisekunden statt in Stunden kommt. Daraus folgt die wichtigste Voraussetzung, die in vielen Anleitungen untergeht: Keiner der drei Server läuft auf einer Node mit gekürzter Blockchain. Wer Pruning eingeschaltet hat, um Platz zu sparen, kann keinen Electrum Server danebenstellen. Die Dokumentation von electrs verlangt Bitcoin Core ausdrücklich mit -prune=0, ElectrumX schreibt vor, dass der Dienst auf einem „non-pruning bitcoin daemon“ laufen muss, und Fulcrum braucht txindex=1, was ohne vollständige Blockchain nicht zu haben ist.
Rechnet also grosszügig. Die Blockdateien allein lagen im Beispiel der electrs-Dokumentation im Juli 2026 bei rund 800 GB, dazu kommt der Index des jeweiligen Servers. Eine 1-TB-SSD wird damit knapp; wie ihr sie ohne Neuaufbau tauscht, steht in unserer Anleitung zum Klonen einer Full-Node-SSD von 1 TB auf 2 TB.
Was für den eigenen Server spricht
Der Hauptgrund ist die Privatsphäre. Fragt eure Wallet einen öffentlichen Server, dann weiss dessen Betreiber, welche Adressen zusammengehören, wie viel darauf liegt und wann ihr nachschaut. Diese Verknüpfung lässt sich nachträglich nicht mehr aufheben – sie ist der Gegenspieler zu allem, was wir unter Bitcoin privat und anonym versenden beschrieben haben.
Dazu kommen drei praktische Gründe. Ihr entscheidet selbst, wann aktualisiert wird und ob ein Update überhaupt eingespielt wird. Ihr hängt nicht an der Verfügbarkeit eines fremden Dienstes, der ohne Vorwarnung abgeschaltet werden kann. Und jeder zusätzliche unabhängige Server macht das Netz als Ganzes widerstandsfähiger. Wer den Aufwand nicht selbst tragen will, kann übergangsweise unseren privaten Electrum Server nutzen – das bleibt aber Vertrauen in einen Dritten, auch wenn dieser Dritte wir sind.

electrs
electrs ist in Rust geschrieben und beschreibt sich selbst als „efficient re-implementation of Electrum Server“. Es ist der sparsamste der drei und der einzige, der kein txindex=1 in der bitcoin.conf verlangt – die Dokumentation stellt ausdrücklich fest, dass txindex für die Bitcoin-Node nicht nötig ist. Das spart nicht nur Platz, sondern auch einen kompletten Reindex, falls eure Node bisher ohne lief. Auf fertigen Node-Distributionen ist electrs deshalb meist die vorinstallierte Wahl; im Umbrel App Store steht derzeit die Fassung 0.11.1-patch.1.
Ressourcenanforderungen
- Indexgrösse: rund 7 Prozent der Blockdateien, während des ersten Aufbaus vorübergehend bis etwa 14 Prozent. Im Beispiel der Dokumentation vom Juli 2026 sind das 56 GB.
- Indexaufbau: stark hardwareabhängig. Die Dokumentation nennt rund 18 Stunden auf einem ODROID-HC1 mit 2 GB RAM und SSD, und rund 2 Stunden auf einer Maschine mit 6 Kernen, 32 GB RAM und NVMe.
- Weitere Anforderungen: Bitcoin Core ab Version 31, gestartet mit
-server=1 -rest=1 -prune=0. Keintxindexnötig.
Verwendung
Optimal für einzelne Anwender, die den Server auf der eigenen Node betreiben und wenig Plattenplatz übrig haben.
Vorteile
- mit Abstand der kleinste Index der drei
- kein
txindex=1in derbitcoin.confnötig, also auch kein Reindex der Node - läuft auch auf schwacher Hardware zuverlässig
Nachteile
- Auf der Release-Seite liegen nur Quelltextarchive, keine fertigen Binärdateien. Übersetzen oder ein fertiges Paket der Node-Distribution nehmen.
- Der kleine Index wird mit Rechenzeit bezahlt: Was nicht gespeichert ist, muss bei der Abfrage aus den Blockdateien geholt werden.
ElectrumX
Bei ElectrumX ist seit der Erstfassung dieses Artikels das Wichtigste passiert, und es steht in keinem Changelog, sondern in den Projektbeschreibungen: ElectrumX ist nicht mehr ein Projekt, sondern zwei. Das ursprüngliche Repository von Neil Booth trägt heute die Zeile „For a future network with bigger blocks“. Die Electrum-Entwickler führen daneben einen eigenen Zweig und begründen ihn damit, der ursprüngliche Autor habe „dropped support for Bitcoin, which we intend to keep“. Ein Datum nennt keine der beiden Seiten, und Booth selbst äussert sich in seinem README nicht dazu – die Aussage über den Wegfall stammt also von der abspaltenden Seite. An der praktischen Folge ändert das nichts: Wer heute ElectrumX für Bitcoin installiert, nimmt die Fassung von spesmilo.
Diese Fassung lebt: Version 2.0.0 ist am 3. Juli 2026 erschienen. Das gilt allerdings nicht für alles, was ElectrumX heisst. Wer im Umbrel App Store auf ElectrumX klickt, bekommt 1.16.0-patch.3 – also genau die Fassung, die Sparrow im Februar 2022 vermessen hat. Das ist immerhin konsequent.
Ressourcenanforderungen
- Indexgrösse: Die Dokumentation nennt gut 46,9 GB – allerdings gemessen bis Blockhöhe 611'600, also auf dem Stand von Anfang 2020. Eine aktuelle Zahl liefert das Projekt nicht; empfohlen werden 70 bis 80 GB freier Platz vor dem Start.
- Indexaufbau: mehrere Tage, ebenfalls nach älteren Angaben der Dokumentation. Der Index lässt sich auf einer stärkeren Maschine vorbereiten und übertragen.
- Weitere Anforderungen:
txindex=1in derbitcoin.conf, ausdrücklich auf einer nicht gekürzten Node. Wartxindexbisher aus, muss die Node einmal komplett neu indexieren.
Verwendung
Für Betreiber, die einen öffentlich erreichbaren Server anbieten wollen und mit Python-Umgebungen umgehen können.
Vorteile
- kleinerer Index als Fulcrum
- deutlich schnellere Abfragen als electrs, jedenfalls im Vergleich von 2022
- als Python-Paket über PyPI installierbar, ohne Compiler
Nachteile
- Die Dokumentation zu Platzbedarf und Aufbauzeit ist seit Jahren nicht nachgeführt worden. Ihr plant hier mit Zahlen, die niemand mehr bestätigt.
- Zwei Repositories mit demselben Namen, von denen nur eines ausdrücklich für Bitcoin gepflegt wird. Die Verwechslungsgefahr ist real.
txindex=1erzwingt einen Reindex, wenn die Node bisher ohne lief.
Der frühere Satz „nicht für einen Raspberry Pi geeignet“ ist übrigens gestrichen, und zwar aus einem einfachen Grund: Der Vergleich, auf den sich dieser Artikel stützt, lief genau dort. Sparrow hat ElectrumX 1.16 auf einem Raspberry Pi 4 mit 8 GB RAM getestet. Es läuft, es ist nur nicht schnell.
Fulcrum
Fulcrum ist in C++ geschrieben, wird am aktivsten gepflegt und ist das genaue Gegenteil von electrs: Es speichert grosszügig, um bei der Abfrage nichts mehr nachrechnen zu müssen. Version 2.1.2 ist am 20. August 2026 erschienen – von den drei Projekten der jüngste Stand, und der Umbrel App Store liefert ihn bereits aus.
Ressourcenanforderungen
- Indexgrösse: rund 133 GB für Bitcoin mainnet laut README. Das ist gut das Doppelte von electrs.
- Arbeitsspeicher: Das README nennt 1 GB RAM als Minimum. Die Belastung liegt hier klar auf der Platte, nicht im Speicher.
- Weitere Anforderungen:
txindex=1in derbitcoin.conf, ausdrücklich gefordert.
Verwendung
Für alle, die Antwortzeiten wollen und den Platz dafür haben – egal ob als persönlicher oder als öffentlicher Server.
Vorteile
- fertige Binärdateien für Linux x86_64, Linux ARM64 und Windows 64 Bit. Die ARM64-Variante läuft damit auch auf einem Raspberry Pi, ohne Compiler.
- nach dem Indexaufbau die mit Abstand schnellsten Abfragen
- der aktivste Entwicklungsstand der drei
Nachteile
- mit rund 133 GB der grösste Platzbedarf
txindex=1nötig, also gegebenenfalls ein Reindex der Node- für macOS gibt es keine fertige Binärdatei, dort wird übersetzt
Der Sparrow-Vergleich und was er heute noch wert ist
Craig Raw hat für Sparrow Wallet die drei Server direkt gegeneinander vermessen. Diese Zahlen kursieren seither in jeder Diskussion zum Thema – auch in der Erstfassung dieses Artikels, dort allerdings ohne Datum und ohne Link. Beides wird hier nachgeholt, weil beides den Wert der Zahlen bestimmt. Der Testbericht trägt den Stand 1. Februar 2022.
Getestet wurde auf einem Raspberry Pi 4 mit 8 GB RAM unter Ubuntu 21.10 in 64 Bit, mit einer externen 1-TB-USB-SSD und einer Wallet mit rund 3000 benutzten Adressen. Die geprüften Fassungen waren ElectrumX 1.16, electrs 0.9.4 und Fulcrum 1.6.0.
Testergebnisse
Test 1: Initial Load
- Fulcrum lädt in etwa 1,4 bis 2,3 Sekunden.
- ElectrumX braucht 40,7 bis 54,1 Sekunden.
- electrs liegt bei 322 bis 428 Sekunden.
Zusammenfassung: Fulcrum war rund 22-mal schneller als ElectrumX und etwa 300-mal schneller als electrs.
Test 2: Wallet Refresh
- Fulcrum führt mit 7,4 bis 14,2 Sekunden.
- electrs holt deutlich auf und liegt bei 11,2 bis 17,6 Sekunden.
- ElectrumX fällt auf 66,2 bis 114,5 Sekunden zurück.
Zusammenfassung: Fulcrum war beim Aktualisieren etwa 8-mal schneller als ElectrumX und 1,5-mal schneller als electrs.
Warum die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind
Der Erklärungsansatz von damals gilt weiter und ist der eigentliche Ertrag des Tests: electrs speichert bewusst nicht alles, was für eine schnelle Zuordnung nötig wäre, und holt den Rest bei jeder Abfrage aus den Blockdateien nach. Das kostet Rechenzeit und macht sich beim erstmaligen Laden einer Wallet mit vielen Adressen brutal bemerkbar. ElectrumX und Fulcrum legen diese Zuordnung im Index ab und antworten deshalb sofort. Dass Fulcrum dabei nochmals klar vorne liegt, hängt an der Umsetzung in C++ gegenüber Python bei ElectrumX.
Trotzdem: Diese Messung ist von Februar 2022. Zwei der drei geprüften Fassungen sind seither um mehrere Hauptversionen weitergezogen – electrs von 0.9.4 auf 0.11.1, Fulcrum von 1.6.0 auf 2.1.2, ElectrumX von 1.16 auf 2.0.0. Die Blockchain ist in dieser Zeit um Jahre gewachsen. Wer die Sekundenwerte heute als Tatsache zitiert, zitiert eine Momentaufnahme aus einer anderen Zeit. Die Rangfolge ist plausibel geblieben, weil sie aus dem Aufbau der Indizes folgt und nicht aus einer Optimierung. Die Faktoren sind es nicht. Einen neueren, unabhängigen Vergleich aller drei Server auf identischer Hardware gibt es nach unserer Recherche nicht.
Worauf ihr achten solltet
- Zuerst der Plattenplatz, dann alles andere. Rechnet die Blockdateien und den Index zusammen, bevor ihr euch für einen Server entscheidet. Zwischen electrs und Fulcrum liegen beim Index gut 75 GB – das entscheidet auf einer 1-TB-SSD alles.
- Prüft, ob eure Node
txindex=1hat, bevor ihr ElectrumX oder Fulcrum installiert. Fehlt der Eintrag, indexiert Bitcoin Core einmal komplett neu, und das dauert je nach Hardware Stunden bis Tage. - Pruning und Electrum Server schliessen sich aus. Wer Platz gespart hat, indem er die Blockchain kürzen liess, muss diese Entscheidung zuerst zurücknehmen.
- Bei ElectrumX auf das richtige Repository achten. Für Bitcoin gepflegt wird ausdrücklich die Fassung der Electrum-Entwickler unter
spesmilo/electrumx. Eine Anleitung, die noch aufkyuupichan/electrumxzeigt, gehört gegengeprüft. - Schaut nach, welche Version eure Node-Distribution wirklich ausliefert. Ein App Store kann jahrealte Fassungen führen, ohne das anzuschreiben. Welche Distribution zu euch passt, haben wir in RaspiBlitz vs. Umbrel verglichen.
- Plant den ersten Indexaufbau ein. Egal welcher Server: Der erste Durchlauf dauert und belastet die Node. Startet ihn nicht an dem Abend, an dem ihr eine Zahlung erwartet.
Fazit: Die Wahl entscheidet der Plattenplatz, nicht der Benchmark
Alle drei Server erfüllen ihren Zweck, und der wichtigste Schritt ist ohnehin getan, sobald eure Wallet überhaupt einen eigenen Server befragt statt eines fremden. Die Entscheidung zwischen ihnen fällt danach an drei nüchternen Fragen:
- electrs, wenn der Platz knapp ist oder eure Node ohne
txindexläuft. Ihr bezahlt den kleinen Index mit langsamem erstmaligem Laden – im Alltag, beim Aktualisieren, ist der Abstand klein. - Fulcrum, wenn ihr die 133 GB übrig habt. Es ist der schnellste, der am aktivsten gepflegte und der einzige mit fertigen Binärdateien für Linux und Windows. Für die meisten Aufbauten ist es heute die naheliegende Wahl.
- ElectrumX, wenn ihr in einer Python-Umgebung zu Hause seid oder einen öffentlichen Server betreibt und die Fassung der Electrum-Entwickler bewusst wollt. Rechnet damit, dass ihr die Angaben zum Platzbedarf selbst nachmessen müsst.
Und wenn ihr aus diesem Artikel nur einen Satz mitnehmt, dann diesen: Prüft vor dem Kauf der nächsten SSD, welcher der drei Server darauf landen soll. Es ist billiger, das vorher zu wissen.
Quellen und weiterführende Links
- romanz/electrs – Projektseite und README, Angaben zu Indexüberhang und
txindex. - electrs, Dokumentation zur Inbetriebnahme – Anforderungen an Bitcoin Core, Indexgrösse, Beispielwerte zum Indexaufbau.
- electrs, Release-Übersicht – Version 0.11.1 vom 22. Februar 2026.
- kyuupichan/electrumx – das ursprüngliche Repository und seine heutige Ausrichtung.
- spesmilo/electrumx – die von den Electrum-Entwicklern gepflegte Fassung und die Begründung der Abspaltung.
- ElectrumX, Dokumentation und Changelog – Version 2.0.0 vom 3. Juli 2026.
- ElectrumX, HOWTO – Pflicht zu
txindex=1und zur nicht gekürzten Node, Angaben zum Platzbedarf. - cculianu/Fulcrum – README mit Platzbedarf, Arbeitsspeicher und
txindex-Anforderung. - Fulcrum, Release-Übersicht – Version 2.1.2 vom 20. August 2026 und die angebotenen Binärdateien.
- Sparrow Wallet, Server Performance – der Geschwindigkeitsvergleich vom 1. Februar 2022 samt Testaufbau.
- Umbrel App Store: electrs, ElectrumX und Fulcrum – die dort ausgelieferten Fassungen, abgerufen am 30. August 2026.


Fulcrum kann ich nicht empfehlen. Ständig die DB corrupt falls die node mal unerwartet abraucht. electrs ist lame. alles weder fisch noch fleisch für den heimgebrauch
Fulcrum ist auch nicht wirklich für den Heimgebrauch gedacht sondern für Public Server die ordentlich viel Requests bedienen müssen. Wenn deine Node aber auch ständig unerwartet abraucht, ist irgendwie auch etwas nicht in Ordnung?