BitBox-Phishing-Mail besteht die DKIM-Prüfung: Warnung vor dem angeblichen Entropie-Bug
Am 9. September 2026 ist bei uns eine Phishing-Mail eingegangen, die sich als Sicherheitswarnung von BitBox ausgibt. Der Inhalt ist der übliche Versuch, an die Wiederherstellungswörter zu kommen. Bemerkenswert ist etwas anderes: Die Mail besteht sämtliche Echtheitsprüfungen des Mailsystems. SPF, DKIM und DMARC melden pass, die DKIM-Signatur trägt die Domain bitbox.swiss. Der Ratschlag, einfach auf den Absender zu schauen, greift bei dieser Mail nicht mehr.
Update: aktuell scheinen auch angebliche Mails von Trezor und Cointracking zu kommen.

Das Wichtigste in Kürze
- Betreff der Mail: Critical Security Alert: Microcontroller Entropy Vulnerability, angeblicher Absender BitBox, Antwortadresse no-reply@shiftcrypto.ch.
- Behauptet wird ein Werksdefekt im Mikrocontroller, der den Hardware-Zufallsgenerator deterministisch mache. Ein Link führt auf ein angebliches entropy check tool im Browser.
- Der Inhalt hält technisch nicht stand. Das Ziel ist erkennbar, die Wiederherstellungswörter abzugreifen.
- Der Header dagegen ist sauber signiert und DMARC-konform. Es handelt sich nicht um eine einfache Absenderfälschung.
- Wenn ihr eine solche Mail erhaltet: nicht klicken, nichts eingeben, Mail aufbewahren und melden.
Was in der Mail steht
Die Nachricht ist sauber gestaltet und im Layout einer offiziellen Sicherheitsmitteilung gehalten. Das Engineering-Team habe eine kritische Schwachstelle auf Hardware-Ebene entdeckt, heisst es darin. Betroffen seien Geräte mit den Firmware-Versionen 9.21.0, 9.20.1, 9.19.0, 9.18.2 und 9.17.0. Der Fehler stamme vom Hersteller des Mikrocontrollers und liege nicht in der Firmware. Als Folgen werden genannt: zu wenig Zufall bei der Erzeugung der Wiederherstellungswörter, Angreifbarkeit per Brute Force und deterministische Hardware-Ausgaben bei bestimmten Produktionschargen.
Darunter steht ein Link mit der Aufschrift Launch the entropy check tool, ergänzt um den Hinweis, bei blockierten Links die Browser-Ansicht zu nutzen. Genau das ist der Angriff. Ein solches Werkzeug prüft nichts, es sammelt ein.
Warum der Inhalt technisch nicht aufgeht
Erstens hängt der Seed einer BitBox02 nicht an einem einzelnen Zufallsgenerator. Nach dem Bedrohungsmodell von BitBox kombiniert die Firmware die Zufälligkeit des Mikrocontrollers und des Secure Chips mit einer im Werk erzeugten Zufallskomponente, mit Zufälligkeit vom angeschlossenen Computer und mit dem Geräte-Passwort. Ein defekter Hardware-Zufallsgenerator allein ergibt daraus keinen erratbaren Seed. Das ist bewusst so gebaut, weil sich Zufälligkeit von aussen nie vollständig überprüfen lässt.
Zweitens stimmen die Versionsnummern nicht. Die genannten Versionen sind längst überholt, aktuell ist die 9.26er-Reihe. Der Bootloader-Fix kam mit dem Oeschinen-Release in Firmware 9.26.3. Wer eine echte Advisory schreibt, nennt aktuelle Versionen.
Drittens passt das Timing zu gut. Nach der RNG-Schwachstelle bei Coldcard und dem Dixence-Update ist das Thema Entropie in aller Munde. Decrypt berichtete Ende August über die von BitBox selbst offengelegten Firmware-Fehler. In der Stellungnahme zur Coldcard-Lücke warnt BitBox ausdrücklich davor, dass Angreifer solche Sicherheitsmeldungen aufgreifen, um Dringlichkeit zu erzeugen. Genau das passiert hier.
Viertens, und das macht alles Weitere überflüssig: BitBox fragt niemals nach den Wiederherstellungswörtern. Diese gehören nie in einen Computer, ein Smartphone, eine Webseite, eine Browser-Erweiterung, einen Passwortmanager, einen Cloud-Dienst oder einen KI-Chatbot, sondern ausschliesslich direkt auf das Gerät.
Der brisante Teil: der Mail-Header
Frühere Wellen liessen sich leicht entlarven. Bei der Phishing-Welle von 2024 reichte ein Blick auf die Absenderadresse, und BitBox konnte damals festhalten, dass die Mail nicht von einer BitBox-Adresse stammte. Diese Mail ist anders. Die Prüfung durch unseren eigenen Mailserver ergibt folgendes Bild:

| Prüfung | Ergebnis |
|---|---|
| SPF | pass |
| DKIM | pass, header.d=bitbox.swiss, header.s=mail |
| DMARC | pass, policy=reject |
| Versandweg | Brevo (shared-p100-i26.d.sp1-brevo.net) |
| List-ID | auf list-id.mailin.fr, ebenfalls Brevo |
Die Mail wurde also mit einem gültigen DKIM-Schlüssel für bitbox.swiss signiert und ist DMARC-konform ausgerichtet. Eine reine Absenderfälschung sieht anders aus, die scheitert genau an dieser Stelle. Auch eine Tippfehler-Domain scheidet aus, die Signaturdomain lautet exakt bitbox.swiss.
Zwei mögliche Erklärungen
Von aussen lässt sich nicht abschliessend beurteilen, was dahintersteckt. Nach unserem Kenntnisstand bleiben im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:
- Ein Konto beim Versanddienstleister Brevo, in dem bitbox.swiss als authentifizierte Absenderdomain hinterlegt ist, wurde übernommen und für den Versand missbraucht.
- Der DKIM-Selector
mailbei bitbox.swiss gehört zu einem Dienst, der kompromittiert, veraltet oder falsch konfiguriert ist.
Beides wäre ein Vorfall auf Infrastrukturebene und hätte nichts mit den Geräten selbst zu tun. Die Schlüssel bleiben auf der Hardware-Wallet, eine missbrauchte Mailingliste erreicht sie nicht. Einen vergleichbaren Fall gab es 2022 mit dem Datenleck bei ActiveCampaign, damals ging es allerdings um abgeflossene Adressen und nicht um authentifizierten Versand.
Wir haben BitBox über den Befund informiert und den vollständigen Quelltext angeboten. Sobald eine Rückmeldung vorliegt, aktualisieren wir diesen Artikel.
Die Mail ist zu 100% Betrug
Klickt man auf den Link (was man auf keinen Fall ohne VPN tun sollte) landet man natürlich auf einer Webseite die nach der Wörtern und der Passphrase fragt:

Nochmals, gebt auf keinen Fall Eure Recovery Phrase ein, dass wird dazu führen dass ihr all Eure Sats verliert!
Was ihr jetzt tun solltet
- Nicht klicken. Weder den Link noch die Browser-Ansicht. Externe Inhalte blockiert lassen.
- Nichts eingeben. Kein Wallet-Backup, keine 24 Wörter, keine abgetippte Kopie, kein Foto davon. Wer danach fragt, ist ein Angreifer.
- Firmware regulär aktualisieren, aber ausschliesslich über die BitBoxApp oder über bitbox.swiss, die Adresse von Hand eingetippt.
- Falls ihr Wörter eingegeben habt: sofort eine neue Wallet auf einem sauberen Gerät erstellen und das Guthaben dorthin transferieren. Der alte Seed ist verbrannt. Der Phishing-Leitfaden von BitBox beschreibt das Vorgehen im Detail.
Einordnung
Die übliche Empfehlung, den Absender zu prüfen, greift bei dieser Mail zu kurz. Wenn SPF, DKIM und DMARC alle bestehen, hilft der Blick auf die Absenderzeile nicht mehr weiter. Dann bleibt nur der Inhalt selbst als Prüfstein, und der ist zuverlässig: Eine Aufforderung, Wiederherstellungswörter irgendwo einzugeben oder prüfen zu lassen, ist immer ein Angriff. Ohne Ausnahme, ohne Ansehen des Absenders, unabhängig davon, wie gut die Mail signiert ist.
Das ist der eigentliche Grund, warum eine Hardware-Wallet funktioniert. Sie verlagert das Vertrauen weg von E-Mails, Webseiten und Support-Kanälen hin zu einem Gerät in eurer Hand. Diese Eigenschaft ist genau so viel wert, wie ihr sie verteidigt.