Home » Bitcoin » BLAKE2b-Hard-Fork ist aktiv: was jetzt wirklich läuft

BLAKE2b-Hard-Fork ist aktiv: was jetzt wirklich läuft

Am Sonntagmorgen um 06:14 UTC hat die abgespaltene BIP-110-Kette ihren Proof of Work gewechselt: ab Block 961.640 wird nicht mehr mit SHA-256d gerechnet, sondern mit BLAKE2b. Angekündigt war der Schritt für den 1. September, gekommen ist er zwei Tage früher — und damit ist aus dem Vorhaben, über das wir am 17. August unter BIP-110 gescheitert: jetzt soll BLAKE2b es richten berichtet haben, eine laufende Kette geworden.

Gegenüberstellung auf dunklem Grund: links durchgestrichen SHA-256d mit dem Hinweis auf acht Blöcke in drei Wochen, rechts orange hervorgehoben BLAKE2b ab Block 961.640 mit 237 Blöcken in den ersten zwölf Stunden. Das Bild zeigt den Wechsel des Proof-of-Work-Algorithmus auf der abgespaltenen BIP-110-Kette am 30. August 2026.

Der BLAKE2b-Hard-Fork kam zwei Tage früher als angekündigt

Den Anfang machte eine öffentliche Warnung. Am 29. August, 11:54 Uhr, schrieb Luke Dashjr: "PSA: Potential Bitcoin PoW change Sunday. SHA2 miners should stop mining Saturday." Bitcoin Knots 29.4.1rc4 werde am Tag darauf erscheinen und den letzten SHA-2-Block festschreiben; die Mitteilung wurde in mehreren Foren weitergereicht, weil sie ursprünglich auf X stand. Bemerkenswert ist die Wortwahl: Dashjr nannte den Vorgang eine mainnet rehearsal, also eine Generalprobe im Echtbetrieb. Wer schon einmal eine Generalprobe erlebt hat, bei der anschliessend niemand mehr zurückkonnte, weiss, wie viel Trost in dem Wort steckt.

Der Wechsel selbst erfolgte dann am 30. August um 06:14 UTC bei Block 961.640. Der letzte mit SHA-256d gefundene Block der Abspaltung trägt die Nummer 961.639 und stammt vom 28. August, 17:14 UTC — das lässt sich an einem öffentlichen Explorer nachsehen, der eine Bitcoin-Knots-Node ohne den neuen Algorithmus betreibt und deshalb bis heute genau dort stehen bleibt.

Acht Blöcke in drei Wochen: warum die Kette den Wechsel brauchte

Der Grund für die Eile steckt in der Difficulty. Als sich die Kette am 8. August bei Block 961.632 abspaltete, erbte sie den Schwierigkeitsgrad des Hauptnetzes von rund 127,5 Billionen — aber nur einen Bruchteil der Rechenleistung. Wie diese Anpassung funktioniert und warum sie nur alle 2.016 Blöcke greift, steht in unserem Grundlagenbeitrag Was ist die Mining Difficulty.

Die Zahlen des Explorers zeigen, was das praktisch bedeutet. Zwischen den Blöcken 961.633 und 961.639 lagen Abstände von 13.759 bis 475.772 Sekunden, also von knapp vier Stunden bis zu fünfeinhalb Tagen. Acht Blöcke in drei Wochen. Bis zur nächsten Anpassung bei Höhe 963.648 fehlten zum Zeitpunkt des Wechsels noch 2.009 Blöcke. Selbst mit der gesamten Hashrate des Bitcoin-Netzwerks wären das knapp vierzehn Tage gewesen — mit dem, was die Abspaltung tatsächlich hatte, Jahrzehnte.

Senkrechte Zeitleiste mit sieben Stationen: Kettenspaltung am 8. August 2026 bei Block 961.632, drei Wochen mit nur acht Blöcken wegen geerbter Difficulty, Pull Request 359 in Bitcoin Knots am 15. August, Ankündigung und Trennung von Ocean und Luke Dashjr am 29. August, Aktivierung des BLAKE2b-Proof-of-Work am 30. August um 06:14 UTC, angekündigte finale Fassung am 1. September 2026 und Ende der Datenlimits am 1. September 2027. Die Grafik zeigt, dass der Algorithmuswechsel die Difficulty-Falle auflöst, aber die aufgehäufte Arbeit mitnimmt.

Ein Proof-of-Work-Wechsel löst dieses Problem in einem Zug, weil er die Difficulty neu setzen darf. Genau das ist passiert.

Vom Stillstand in den Minutentakt

Die Wirkung war sofort sichtbar. Die Betreiber von blake2bminer.com, einer Informationsseite für Miner der neuen Kette, dokumentieren für den 30. August, 18:55 UTC, den Stand Block 961.877. Das sind 237 Blöcke in gut zwölf Stunden, also im Schnitt einer alle drei Minuten. Aus acht Blöcken in drei Wochen wurden 237 an einem halben Tag.

Das ist der Erfolg, den die Befürworter sich versprochen haben, und er ist real. Er hat nur einen Preis, den keine Difficulty-Anpassung wieder hereinholt: Die sechzehn Jahre aufgehäufte SHA-256-Arbeit, die eine Umschreibung der Bitcoin-Historie unbezahlbar macht, gelten auf der neuen Kette nicht mehr. Wer eine BLAKE2b-Kette angreifen will, muss nur mehr BLAKE2b-Leistung aufbringen als die paar Betreiber, die derzeit darauf rechnen. Der Unterschied zwischen einer Änderung, die alte Regeln verschärft, und einer, die eine neue Kette aufmacht, ist übrigens genau der zwischen Hardfork und Softfork — und diesmal ist es unmissverständlich ein Hardfork.

Was im neuen Block-Header steckt

Die technische Grundlage ist Pull Request 359 im Bitcoin-Knots-Repository, eröffnet von Dashjr am 15. August, 21 Commits. Er ersetzt nicht nur die Hashfunktion, sondern führt einen Block-Header in Version 2 ein. Die dort genannten Ziele sind:

  • deutlich mehr Nonce-Raum, aufgeteilt in 128 Bit auf ASIC-Ebene, weitere 128 Bit je Maschine und 8 Bit darüber hinaus
  • ein optionaler Schutz gegen Block-Withholding-Angriffe über einen XOR-Schlüssel
  • vorbereitete Haken für Merged Mining, also für Seitenketten
  • eine Festlegung der Transaktionszahl im Header, beschrieben als saubere Behebung von CVE-2017-12842
  • Vorbereitung auf einen 64 Bit breiten Zeitstempel

Dazu kommen befristete Regeln. Die Projektseite der Kette nennt eine Obergrenze von 800.000 Gewichtseinheiten je Block — grob 300 Kilobyte — die bis zum 1. September 2027, 00:00 UTC gilt und danach automatisch entfällt. Das ist die Fortsetzung des ursprünglichen Streits mit anderen Mitteln: Es geht den Betreibern der Kette weiterhin darum, beliebige Daten aus der Kette herauszuhalten. Wer den Hintergrund dazu braucht, findet ihn bei uns unter Bitcoin Knots vs. Bitcoin Core.

Replay-Schutz gibt es nur, wenn ihr ihn anfordert

Der Punkt, der Nutzer am unmittelbarsten betrifft, steht in derselben FAQ: Die privaten Schlüssel bleiben auf beiden Ketten dieselben, und ein Replay-Schutz existiert nur als Option. Wer ihn will, muss das Signaturformat SIGHASH_UNIFIED verwenden. Ohne das kann eine Transaktion, die ihr auf einer Kette sendet, auf der anderen gültig sein.

Für den Umgang damit gilt unverändert, was der Node-Anbieter Start9 schon Mitte August zusammengetragen hat: Offene Lightning-Kanäle existieren nach einer Spaltung auf beiden Ketten, eure Node beobachtet aber nur eine davon. Und die alte Regel bleibt die wichtigste: Gebt eure Seed-Phrase niemals in ein Werkzeug ein, das euch Fork-Coins verspricht. Das war schon bei jedem früheren Fork der schnellste Weg, echte Bitcoin zu verlieren.

Mining für alle? Die Rechnung geht am ersten Tag nicht auf

In der Berichterstattung wurde BLAKE2b durchgehend als Rückkehr zum Mining mit gewöhnlicher Hardware verkauft: endlich wieder CPU und Grafikkarte statt Spezialchips. Das hält keinen Tag stand, und zwar nicht wegen einer Prognose, sondern wegen vorhandener Hardware. BLAKE2b ist der Algorithmus, mit dem seit Jahren Siacoin gemint wird, und es gibt dafür ASICs zu kaufen.

Die Miner-Seite zur neuen Kette beziffert eine RTX 3090 auf rund 5 GH/s und stellt daneben, dass eine Goldshell-SC-Box das Hundertfache schafft. CPUs bezeichnet sie als "not viable from the start". Die Projekt-FAQ selbst schreibt, ein Antminer A3 funktioniere "ab dem ersten Block". Die Kette hat also nicht die ASICs abgeschafft, sondern nur den Hersteller gewechselt — von den grossen SHA-256-Farmen zu einem Lager gebrauchter Siacoin-Geräte, das seit Jahren auf einen zweiten Frühling wartet. Das ist eine Dezentralisierung, die vor allem den Besitzern alter Hardware nützt.

Für alle, die weiterhin auf der Hauptkette minen, ändert das nichts. Der Bitaxe zeigt weiter auf den Pool eurer Wahl, bei uns auf stratum+tcp://blitzpool.yourdevice.ch:3333; die Übersicht dazu steht in der kleinen Bitcoin Solo Mining Bibel. Auf der BLAKE2b-Kette sind bislang eine Handvoll kleiner Pools aktiv, unter anderem SilentWave, PyBLOCK, Helios, PythonPool und TrueNorth — Namen, die vor drei Wochen niemand kannte.

Der Code, auf dem das läuft, ist offiziell noch ein Entwurf

Pull Request 359 trägt zum Zeitpunkt dieses Artikels weiterhin den Status Draft. In der Diskussion stehen drei von Prüfern gemeldete Befunde: Das Argument -powchangetime nimmt das dokumentierte Format time[:algo] nicht an, eine Assertion prüft 0x40 + 88 statt der offenbar richtigen 90, und die Testfunktion powhash bildet die tatsächliche Header-Konstruktion nicht ab. Die Kette läuft derweil auf einem Release-Kandidaten; die finale Fassung war für den 1. September angekündigt.

Das ist auch dann bemerkenswert, wenn ihr dem Vorhaben wohlwollend gegenübersteht. Ein Konsensbruch, der sich nicht rückgängig machen lässt, wurde hier ausgeliefert, bevor der zugehörige Vorschlag aus dem Entwurfsstadium heraus war.

Am Tag vor dem Fork verliess Luke Dashjr Ocean

Am 29. August, demselben Tag wie die Warnung an die Miner, veröffentlichten der Mining-Pool Ocean und Dashjr eine gemeinsame Mitteilung. Darin heisst es, er scheide im gegenseitigen Einvernehmen aus und lege die Ämter als Chairman, Chief Technology Officer und Verwaltungsrat nieder; das Unternehmen habe sämtliche Anteile zurückgekauft. Als Grund nennt die Mitteilung "the parties' different visions for the future of Bitcoin mining following the recent protocol developments". Dashjr startet demnach ein neues Vorhaben namens CONVOY.

Wer hier wen verlassen hat, sagt die Mitteilung nicht, und wir schreiben es deshalb auch nicht. Was sie sagt, reicht: Der Pool, der am 8. August den ersten signalisierenden Block gefunden hat, geht den Weg zur neuen Kette nicht mit — und der Rückkauf sämtlicher Anteile ist keine Formulierung für einen freundlichen Abschied.

Was in der Fachpresse steht und in den Quellen nicht

Zwei Angaben kursieren, die sich in den Primärquellen nicht wiederfinden. Erstens wird BLAKE2b mehrfach als quantenresistent beschrieben. In der Liste der Vorteile im Pull Request steht dieses Wort nicht, und die Projektseite begründet den Wechsel ebenfalls anders. Zweitens werden Zahlen zu hängenden Transaktionen und zur nötigen Hashrate genannt, die auf Testnetz-Beobachtungen einzelner Fachmedien zurückgehen; überprüfbar sind sie derzeit nicht. Beides ist im Auge zu behalten, keines davon taugt als Beleg.

Wie es weitergeht

Drei Termine bestimmen die nächsten Monate.

  • 1. September 2026: Für diesen Tag ist die finale Fassung von Bitcoin Knots 29.4.1 angekündigt. Bis dahin läuft die Kette auf einem Release-Kandidaten, und Dashjr hatte einen Rücksetzer auf Block 961.639 in Aussicht gestellt, falls Fehler auftreten.
  • Die erste Difficulty-Anpassung der neuen Kette: Sie zeigt, ob die Rechenleistung bleibt oder ob es sich um einen Startschub gehandelt hat. Bei dreiminütigen Blockabständen fällt sie in wenigen Tagen an — der eigentliche Belastungstest.
  • 1. September 2027: An diesem Tag laufen die befristeten Datenlimits aus. Ob die Kette dann noch existiert, ist die interessantere Frage.

Offen bleibt zudem, ob eine Börse, ein Wallet-Anbieter oder ein Lightning-Dienst die Kette unterstützt. Bis heute hat sich keiner öffentlich dazu bekannt, und ohne das gibt es für die Coins auf der Abspaltung schlicht keinen Preis.

Fazit: Ein neuer Algorithmus ist keine wiederhergestellte Sicherheit

Der Wechsel hat getan, was er tun sollte. Die Kette produziert wieder Blöcke, die Difficulty-Falle ist aufgelöst, und das Vorhaben ist damit weiter, als es die meisten — uns eingeschlossen — Mitte August erwartet hätten. Wer daraus aber ableitet, das Projekt habe seine Probleme gelöst, verwechselt Blockproduktion mit Sicherheit.

Eine Kette ist so schwer angreifbar wie die Arbeit, die in ihr steckt. Diese Arbeit wurde am Sonntag auf null gesetzt und wird seither von einer Handvoll Betreiber mit gebrauchten Siacoin-ASICs neu aufgebaut. Der Code dazu ist ein Entwurf, der Replay-Schutz optional, der prominenteste Pool ausgestiegen und der Initiator gerade dabei, eine neue Firma zu gründen. Das mag alles noch werden. Aber es ist das Gegenteil dessen, was Proof of Work zum belastbaren Konsensmechanismus macht: aufgewendete Rechenleistung, die so teuer ist, dass ein Angriff sich nicht lohnt. Genau diesen Vorsprung hat die Kette am 30. August freiwillig aufgegeben. Unsere Einschätzung vom 2. Juli bleibt damit unverändert stehen.

Quellen und weiterführende Links

Ähnliche Beiträge

  • Umbrel und RaspiBlitz Lightning Watchtower einrichten

    In diesem Artikel geht darum wie Ihr auf Eurer Umbrel oder RaspiBlitz Fullnode einen Lightning Watchtower einrichten könnt. Das Lightning-Netzwerk stellt eine Second-Layer-Lösung für das Bitcoin-Protokoll dar, um Transaktionen schneller...

  • Linux Dateisysteme in der Übersicht

    Ein Vergleich und eine Übersicht der bekanntesten Linux Dateisysteme ist ein spannendes Thema, da es viele verschiedene gibt, die jeweils ihre eigenen Stärken, Schwächen und Einsatzgebiete haben. Ausserdem für Neulinge...

  • Dezentrale Bitcoin Exchange Bisq in der Anwendung

    In diesem Artikel schauen wir uns die dezentrale Bitcoin Exchange Bisq und deren Anwendung an. Die dezentrale Börse Bisq ist eine Open-Source-Plattform für den Austausch von Kryptowährungen, die Peer-to-Peer-Technologie nutzt,...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert