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Kann ich Sozial Media anonym benutzen?

Heute stellen wir uns eine wichtige Frage: kann ich Sozial Media anonym benutzen bei Verwendung spezieller Techniken oder gar Geräten ? Momentan schwiren in den Medien wie Youtube und Telegram einige Behauptungen herum, die Euch erzählen wollen, wir Ihr mit speziellen Kursen und Geräten dieser Betreiber anonym Social Media wie Facebook, Whatsapp und Co benutzen könnt. Einiger dieser Kanale betreibt auch ein "IT-Experte" namens Chris von prvcy.world. Schonmal gehört? Nein? Auch egal, ich möchte Euch in diesem Artikel einfach erläutern, warum dies ganz kurz gesagt, ganz grober Unsinn ist.

Könnt Ihr Euch auf Social Media vor BigTech verstecken? Die schnelle und kurze Antwort ist nein!

Die Digitalisierung hat das Aufkommen von Plattformen wie Facebook, WhatsApp und Google Cloud Diensten ermöglicht, die als angeblich unverzichtbare Tools für Kommunikation und Datenspeicherung gelten. Diese Dienste bieten allerdings kein Raum für nirgendwelche Arten von Anonymität. Der folgende Artikel erläutert, warum dies der Fall ist, und beleuchtet konkrete Beispiele der Datensammlung durch diese Unternehmen.

Wie wird man im Internet identifziert

Kurz erklärt: durch die unendliche Anzahl an Informationen die Ihr als Person im Internet mit Euren Geräten, Verhaltensweisen und Interessen im Internet bereits hinterlassen habt. Die Punkte im Detail:

Identifizierung durch Telefonnummern und E-Mail und IP Adressen

Für die Kontoerstellung auf Plattformen wie Facebook und WhatsApp ist meisst die Angabe einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse erforderlich. Ausserdem wird bei jeder Anmeldung Eure IP Adresse, bzw das Netz in dem Ihr Euch befindet gespeichert. Diese persönlichen Daten dienen nicht nur der Account-Sicherheit, sondern eröffnen den Unternehmen auch Wege zur Identifizierung und Profilbildung der Nutzer. Die verknüpften Telefonnummern E-Mail und IP Adressen werden oft zum Ziel von Marketing-Strategien, und werden mit Unternehmen geteilt, die sich auf Datenanalyse und Profiling spezialisiert haben, wodurch sich der Grad der Anonymität verringert.

Selbst wenn Ihr andere Geräte, Telefonnummern, Email Adressen oder sonstiges verwendet, könnt Ihr Euch vor Bigtech nicht anonymisieren! Warum? Lest weiter!

Datenaggregation und -profilierung

Datenaggregation und -profilierung sind Mechanismen, durch die Social-Media-Plattformen Nutzeridentitäten und -verhalten nachzeichnen und analysieren. Diese Prozesse bleiben effektiv, selbst wenn Ihr versucht, Eure Identität durch den Wechsel von Telefonnummern, Pseudonymen oder Geräten zu verschleiern.

Datenaggregation bezieht sich auf den Prozess, bei dem Informationen aus verschiedenen Quellen gesammelt und zusammengeführt werden, um ein umfassenderes Bild zu erstellen. Soziale Medien aggregieren Daten, die Nutzer explizit teilen (wie Statusupdates, Bilder oder Likes), sowie implizite Daten, die während der Nutzung gesammelt werden (wie Standort, Gerätetyp, genutzte IP Adressen und Browserverlauf). Profilierung nutzt diese aggregierten Daten, um detaillierte Benutzerprofile zu erstellen, die Einblicke in deren Präferenzen, Gewohnheiten und soziale Netzwerke geben.

Selbst wenn Ihr noch so versteckt agiert, habt Ihr einen Fingerabdruck nur schon bereits wie Ihr das Internet benutzt

Benutzererkennung trotz Identitätswechsel

Auch wenn Ihr Eure Telefonnummern oder Pseudonyme ändert, verschlüsselte DNS Server verwendert, oder auch via Tor auf Social Media Plattformen zugreift, können Plattformen diese oft mit den ursprünglichen bzw Euren alten Profilen und Euren Verhaltensweisen im Internet verknüpfen. Ein Mechanismus ist das „Behavioural Tracking“, bei dem das Nutzerverhalten analysiert wird. Dazu gehören die Verweildauer auf bestimmten Seiten, die Art des Scrollverhaltens, Mausbewegungen und Tastaturanschläge. Selbst kleinste Verhaltensmuster sind oft einzigartig und können zur Identifizierung verwendet werden.

Wenn Nutzer die Accounts wechseln, und Beispielsweise einen privaten Account benutzen, mit anderen Namen, Telefonnummer und Email-Adressen, kommen „Device Fingerprinting“-Techniken zum Einsatz. Diese Techniken erkennen eindeutige Konfigurationen und Eigenschaften eines Geräts (wie Bildschirmgröße, installierte Schriftarten und Plugins), wodurch selbst verschiedene Konten, die von einem Gerät aus erstellt wurden, miteinander verknüpft werden können.

Dagegen hilft auch ein VPN oder Zugriff über das Tor Netzwerk herzlichst wenig!

Beispiele

Selbst wenn Ihr einen neuen Facebook-Account unter Verwendung eines Pseudonyms erstellt, dabei ein Gerät nutzt, welches auf Datenschutz spezialisiert ist, und eine nicht zugehörige Telefonnummer verwendet, bleibt Anonymität absolut kein Garant! Angenommen, Ihr eröffnet weitere Konten auf Instagram (eine Tochtergesellschaft von Facebook), nutzt dabei andere Pseudonyme und Telefonnummern und interagiert auf eine Weise, die Euren ursprünglichen Profilen ähnelt - und all dies geschieht auch noch in Eurem Heimnetzwerk mit einer bereits bekannten IP-Adresse, weiss BigTech sofort, um wem es sich da handelt. In einem solchen Szenario ist es ziemlich wahrscheinlich, dass diese verschiedenen Konten miteinander in Verbindung gebracht, und Euer Verhalten über die Plattformen hinweg analysiert und erkannt wird. Dies geschieht durch den Abgleich von IP-Adressen, die Analyse ähnlicher Aktivitäten und Verhaltensmuster sowie andere datenanalytische Methoden, welche von Social-Media-Giganten genutzt werden. So können selbst sorgfältig kuratierte Versuche der Anonymisierung letztendlich durchkreuzt werden.

In einem anderen Fall könnte ein Nutzer verschiedene Geräte verwenden. Durch Kombination von Verhaltensanalyse, Geräte- und Netzwerkerkennung können Plattformen dennoch Zusammenhänge zwischen verschiedenen Profilen und Geräten erkennen, insbesondere wenn von denselben Netzwerken aus zugegriffen wird oder ähnliche Inhalte geteilt werden.

Selbst wenn Ihr mit sonst irgendwie verschlüsselten VPNs, Tor Browsern und TLS verschlüsselten DNS Servern auf Social Media zugreift, und unter Pseudonymen neue Accounts erstellt, erkennen Euch die Unternehmen wie Facebook anhand Eurer Interaktionen, Euren Browsern, Euren Vorlieben, Eurem Surfverhalten, Euren Klicks, und Euren Interessen! Auch mit den meissten VPN Diensten seid Ihr nicht anoynm im Internet. Mehr zu VPNs erfahrt Ihr hier.

Die hochentwickelte Natur der Datenaggregation und -profilierung macht es extrem schwierig, auf Social-Media-Plattformen anonym zu bleiben. Selbst wenn aktive Versuche unternommen werden, die Identität zu verschleiern, können diese Technologien und Techniken die Anonymisierung effektiv unterlaufen.

Ihr solltet Euch der Tragweite dieser Praktiken bewusst sein. Wer Wert auf Anonymität legt, muss über die reine Nutzung von Pseudonymen und Wechsel von Geräten hinausgehen und möglicherweise alternative Plattformen in Erwägung ziehen, die einen stärkeren Fokus auf Datenschutz und Anonymität legen.

Cookie-Tracking und Fingerabdrücke

Web-Cookies und digitale Fingerabdrücke sind weitere Technologien, die der Anonymität abträglich sind. Cookies speichern Informationen über die Surfgewohnheiten der Nutzer, während digitale wie BrowserFingerprinting individuelle Geräteeigenschaften erfassen. Selbst bei aktivierten Datenschutzfunktionen, wie dem Inkognito-Modus, oder der Nutzung von VPN-Diensten ist es schwierig, sich diesen Technologien zu entziehen.

Datenweitergabe an Dritte

Eine weiteres Problem ist die Datenweitergabe an dritte Parteien. Social Media Unternehmen teilen Nutzerdaten oft mit Werbetreibenden und Analysefirmen. Diese Akteure kombinieren Daten aus verschiedenen Quellen, um noch genauere Benutzerprofile zu generieren. Die Anonymität der Nutzer wird dabei weiter aufgeweicht, und Ihr verliert die Kontrolle über Eure Daten, wo sie sind, wer sie verwendet und was damit gemacht wird.

Warum ergibt es keinen Sinn alternative Portale zu nutzen um auf Social Media zuzugreifen

Die Verwendung von Open-Source-Alternativen wie SkyTube oder Open-Source-Social-Media-Zugängen mag auf den ersten Blick wie eine vernünftige Wahl für diejenigen erscheinen, die Anonymität und Datenschutz schätzen. Diese Programme versprechen oft, keine oder weniger Daten zu sammeln und keine personalisierte Werbung anzuzeigen. Doch trotz dieser Vorteile garantieren auch diese Alternativen keine vollständige Anonymität aus folgenden Gründen:

Server-Kommunikation

Diese Apps kommunizieren in der Regel immer noch mit den Servern der Originaldienste (wie YouTube im Falle von SkyTube, gbWhatsapp oder Newpipe). Während die App selbst vielleicht keine Daten sammelt, erfassen die Server der Hauptdienste immer noch Informationen wie IP-Adresse, Gerätetyp, Betriebssystem und eben Verhaltensdaten beim Interagieren mit der Plattform.

Netzwerkanalyse

Moderne Überwachungstechniken können Netzwerkverkehr analysieren, selbst wenn Sie Open-Source-Programme verwenden. Ohne zusätzliche Anonymisierungsschichten, wie VPNs oder das Tor-Netzwerk, bleibt Euer Internetverkehr für Neugierige, wie Ihren Internetanbieter oder Netzwerkadministratoren, sichtbar und analysierbar.

Kompromisse bei der Kontoerstellung

Die Anmeldung oder Nutzung von Diensten erfordert oft die Erstellung eines Kontos beim Originaldienst. In diesem Prozess müsst Ihr personenbezogene Daten preisgeben, was die Anonymität automatisch beendet. Loggt Ihr Euch mit Skytube auf mit Eurem Google Account ein, und habt das mächtigste Privacy Gerät, ist die Privatsspähre sofort dahin!

Datenaggregation von Drittanbietern

Selbst wenn Ihr alternative Apps verwendet, können Dritte immer noch Daten aggregieren und Profile erkennen. Das indem sie Informationen aus verschiedenen Quellen kombinieren.

Obwohl Open-Source-Alternativen und Programme wie SkyTube Anwender vor bestimmten Überwachungs- und Datensammlungspraktiken schützen können, bieten sie keine absolute Anonymität oder Datenschutz. . Des ist das wichtigste: der bewussten Umgang mit persönlichen Daten im Internet.

Fazit

In Anbetracht der umfangreichen Datensammlung, -analyse und -weitergabe sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen ist echte Anonymität auf den genannten Plattformen eine Illusion. Es gibt eigentlich nur eine mögliche Lösung für dieses Problem. Die ist, diese Plattformen schlicht und ergreifend nicht mehr zu benutzen! Wer behauptet dass Ihr anonym Social Media verwenden könnt, und dafür ein nur Gerät kaufen müsst, oder dies in einem Kurs erlernen könnt, ist ein Lügner und verdient für mich wohlwohlend die Titulierung Scammer!

Ein googlefreies Smartphone mit GrapheneOS reicht aus um Euch vor Google zu schützen, Ein Linux PC vor Microsofts Analysen, aber nicht, um Euch anonym wie gewohnt auf Social Media Plattformen wie Facebook und Co bewegen zu können.

Ich hoffe der Artikel "Kann ich Sozial Media anonym benutzen?" hat Euch gefallen und Ihr seid in Zukunft nun vorsichtiger bei den Aussagen einiger "IT Spezialisten".

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