Home » Weiteres » Signal oder Matrix: warum Signal merkwürdig bleibt

Signal oder Matrix: warum Signal merkwürdig bleibt

Zwei Messenger heute im Vergleich: Signal verschlüsselt so gut wie kaum ein anderer Messenger, und trotzdem hören wir seit Monaten dieselbe Frage: „Hatte Signal nicht Dreck am Stecken durch unklare Finanzierungen? Ausserdem spinnt Molly schon wieder — was soll ich tun?" Die Frage Signal oder Matrix ist deshalb keine Frage der Kryptografie mehr, sondern eine der Kontrolle: Wer entscheidet über euren Messenger, wie offen geschieht das, und was passiert, wenn diese Stelle anders entscheidet als ihr?

Titelbild zum Vergleich Signal oder Matrix: Links auf dunklem Grund das blaue Signal-Logo mit dem Schriftzug Signal und dem Hinweis "starke Verschlüsselung, ein Betreiber entscheidet". Rechts, durch eine senkrechte Linie mit "vs" getrennt, das Matrix-Logo in Weiss mit dem Schriftzug Matrix und dem Hinweis "offenes Protokoll, viele Clients und Server".

Dieser Kommentar ist keine Abrechnung mit Signal. Er stellt fest, dass Signal technisch vorbildlich ist und organisatorisch eigenwillig, dass der beliebte Ausweg Molly gerade sichtbar ins Stocken gerät, und dass Matrix die offenere Antwort ist — aber keine kostenlose. Wie viel welcher Messenger über euch verrät, haben wir in unserem Beitrag zu Metadaten bei Messengern ausführlich verglichen; das wird hier nicht wiederholt.

Signal oder Matrix: worum es eigentlich geht

Zuerst das, was an Signal unstrittig ist. Die Verschlüsselung ist der Massstab, an dem sich andere messen lassen müssen, und die Architektur ist auf Datensparsamkeit gebaut. Wie konsequent das ist, zeigt Signal selbst auf einer eigenen Seite mit allen Behördenanfragen: Die einzigen Daten, die Signal herausgeben kann, sind laut eigener Aussage der Zeitpunkt der Registrierung und der Tag der letzten Verbindung. Die Liste reicht von einer Grand-Jury-Vorladung 2016 bis zu einer weiteren in diesem Jahr, und jedes Mal steht dort dasselbe.

Genau deshalb ist die Kritik an Signal so schwer zu führen. Wer Signal wegen der Verschlüsselung angreift, liegt falsch. Die Reibung entsteht an anderer Stelle: bei Entscheidungen, die eine einzelne Organisation für Millionen von Nutzern trifft, ohne sie offen zu begründen — beim Geld, bei der Verteilung über Google, beim Push-Dienst und beim Umgang mit allem, was nicht von Signal selbst kommt. Das sind keine Sicherheitslücken. Es sind Abhängigkeiten.

Vergleichstabelle "Gleich gut verschlüsselt, verschieden abhängig", Stand 07.10.2026, mit den Spalten Signal, Molly und Matrix. Server: Signal ausschliesslich eigene Server ohne Föderation, Molly die Server von Signal, Matrix beliebige Homeserver auch ein eigener. Wer entscheidet: bei Signal die Stiftung allein, bei Molly im Takt der Änderungen von Signal, bei Matrix eine offene Spezifikation mit eigenen Client-Projekten. Finanzierung: Signal 2024 rund 38,0 Millionen Dollar Ausgaben bei 29,4 Millionen Einnahmen, Molly unabhängiges Projekt, Matrix Foundation mit Verlust von 34 Prozent der Kosten und abhängig von Element. Push ohne Google: Signal nein, nur WebSocket, Molly und Matrix ja über Unified Push. Bezug: Signal Play Store empfohlen, APK möglich, kein F-Droid; Molly über GitHub; Matrix viele Clients. Aktualität: Signal 8.29 vom 23.09.2026, Molly 8.19.2-4 vom 31.07.2026, rund zehn Versionen zurück. Metadaten: Signal kann nur Registrierung und letzte Verbindung herausgeben, Molly ebenso, der Matrix-Homeserver kennt Räume, Zeitpunkte und Gegenstellen.

Das Geld: öffentlich, aber nicht durchschaubar

Der Vorwurf der „unklaren Finanzierung" stimmt nur zur Hälfte, und die Hälfte, die nicht stimmt, gehört an den Anfang. Signal ist eine gemeinnützige Stiftung nach US-Recht und muss jährlich eine Steuererklärung veröffentlichen. ProPublica führt diese Formulare für die Signal Technology Foundation lückenlos ab 2018. Wer wissen will, wie viel Signal einnimmt und ausgibt, kann es nachlesen. Das ist mehr, als die meisten kommerziellen Messenger je offenlegen.

Was die Zahlen zeigen

Gelesen ergeben diese Zahlen allerdings ein unruhiges Bild. Für das Geschäftsjahr 2024 weist die Stiftung Einnahmen von rund 29,4 Millionen Dollar aus, davon 21,8 Millionen aus Zuwendungen, dem stehen Ausgaben von 38,0 Millionen gegenüber. Das Nettovermögen ist negativ, bei minus 4,7 Millionen. Auch 2021 und 2022 lagen die Ausgaben deutlich über den Einnahmen. Signal selbst hat das nie verschwiegen: Im Beitrag „Privacy is Priceless, but Signal is Expensive" vom November 2023 rechnete die Organisation vor, dass sie bis 2025 rund 50 Millionen Dollar pro Jahr brauchen werde, davon etwa 14 Millionen für Infrastruktur und rund 19 Millionen für die etwa 50 Angestellten.

Am Anfang steht ein Darlehen. Signal nennt es selbst ein „generous initial loan from Brian Acton", dem WhatsApp-Mitgründer. Laut den Steuerformularen lagen die Verbindlichkeiten der Stiftung Ende 2018 bei 105 Millionen Dollar, ein Jahr später bei 38 Millionen. Was mit der Differenz geschah — ob ein Teil erlassen, umgewandelt oder anders verbucht wurde —, geht aus der Übersicht nicht hervor, und Signal hat es nach unserem Kenntnisstand nie in einem eigenen Beitrag erklärt. Das ist kein Skandal. Aber es ist genau die Art Lücke, in der Spekulationen gedeihen.

Woher die Spekulationen kommen

Die hartnäckigste Erzählung lautet, Signal sei ein Projekt der US-Regierung. Ihr wahrer Kern: Der Open Technology Fund, nach eigener Darstellung „funded through annual appropriations passed by the United States Congress", hat Open Whisper Systems, den Vorläufer der heutigen Stiftung, zwischen 2013 und 2016 mit insgesamt 2.955.000 Dollar gefördert. Daraus wird in Foren regelmässig eine Hintertür. Belegt ist davon nichts: Der Quellcode ist offen, die Builds sind seit 2016 reproduzierbar, und die Behördenanfragen sprechen eine deutliche Sprache.

Die zweite Episode ist hausgemacht. Im April 2021 baute Signal Zahlungen mit der Kryptowährung MobileCoin ein. Bruce Schneier hielt das damals für einen Fehler: Es lade Steuer-, Finanz- und Ermittlungsbehörden geradezu ein, und es gebe „no good reason to tie the two functions together in a single product". In einem Nachtrag wies er darauf hin, dass Signal-Gründer Moxie Marlinspike im Beirat von MobileCoin sass. Eine Organisation, die von Vertrauen lebt, hat damit einen Interessenkonflikt selbst ins Haus geholt. Wer danach jede Finanzfrage mit Misstrauen stellt, ist nicht paranoid, sondern hat aufgepasst.

Kein F-Droid, kein Unified Push, keine Föderation

Der zweite Punkt betrifft Leser dieses Blogs unmittelbar, denn er entscheidet darüber, wie Signal auf einem Telefon ohne Google läuft. Signal empfiehlt den Play Store ausdrücklich als „safest and easiest way". Die APK zum direkten Herunterladen gibt es zwar, aber mit dem Satz, normale Nutzer sollten das „under normal circumstances" nicht tun. Eine Fassung in F-Droid gibt es nicht. Moxie Marlinspike schrieb 2017, im Forum von F-Droid zitiert: „I have no plans to distribute this through f-droid, and don't see what the advantage of doing so would be."

Beim Push-Dienst ist es ähnlich. Signal setzt auf Googles Firebase Cloud Messaging, kurz FCM, und ohne Google-Dienste auf eine eigene, dauerhaft offene WebSocket-Verbindung; die Hilfeseite zu Benachrichtigungen nennt beides als Fehlerquelle. Was das für Akku und Privatsphäre bedeutet, haben wir in Was ist Google Push beschrieben. Unified Push, das offene Gegenmodell, unterstützt Signal nicht. In der Liste der Apps mit Unified Push taucht Signal nicht auf, wohl aber Molly und mehr als zehn Matrix-Clients. Eine öffentliche Begründung von Signal, warum nicht, haben wir nicht gefunden.

Das Muster dahinter ist alt und gut dokumentiert. Als 2016 das Projekt LibreSignal ohne Google-Abhängigkeit mit Signals Servern sprechen wollte, antwortete Marlinspike laut LWN: „You're free to use our source code for whatever you would like under the terms of the license, but you're not entitled to use our name or the service that we run." Und: „It is unlikely that we will ever federate with any servers outside of our control again, it makes changes really difficult." Das ist eine ehrliche, technisch begründbare Position. Sie heisst aber auch: Signal entscheidet allein, wie ihr Signal benutzen dürft, und es fühlt sich nicht verpflichtet, darüber zu verhandeln.

Zur Fairness gehört, dass Signal sich bewegt, wenn es will. Seit September testet die Organisation laut Android Authority in der Beta 8.28.1 eine Registrierung ganz ohne Telefonnummer, gegen eine einmalige Gebühr von drei Dollar, die über Zero-Knowledge-Nachweise vom Konto getrennt bleiben soll. Das ist ein echter Fortschritt. Und es ist wieder eine Entscheidung, die niemand ausserhalb von Signal kommen sah.

Molly: der Ausweg, der gerade stottert

Für alle, denen das zu viel Google ist, war Molly mit Unified Push lange die elegante Lösung: ein gehärteter Fork von Signal, mit Passphrase für die Datenbank, ohne Google-Bibliotheken in der FOSS-Fassung und mit Push über MollySocket. Molly spricht mit denselben Servern, eure Kontakte merken keinen Unterschied. Das Projekt verspricht in seiner Beschreibung auf GitHub: „Molly updates every two weeks to include the latest Signal features and fixes."

Zwei Wochen, die zu drei Monaten wurden

Die Release-Liste erzählt eine andere Geschichte. Auf Version 8.7.3 vom April folgte erst Mitte Juli die 8.19.2, gut zwölf Signal-Versionen später. Die bisher letzte Fassung, 8.19.2-4, erschien am 31. Juli. Signal selbst ist seither laut der Release-Übersicht von Releasebot bei Version 8.29 vom 23. September angekommen. Am 1. Oktober schrieb ein Nutzer in Issue 831: „It's been almost 3 months and about 10 Signal releases since the last update again." Das Wort „again" ist das eigentlich Bemerkenswerte.

Drei Tage später folgte Issue 834: Mehrere Geräte mit der aktuellen Molly-Version unter GrapheneOS stellten keine Nachrichten mehr zu, es blieb bei einem Haken, und mit der offiziellen Signal-App funktionierte alles. Bis zum heutigen Tag steht darunter keine Antwort der Entwickler. Auch bei uns melden sich seit einiger Zeit Nutzer mit genau diesem Muster. Neu ist es nicht: Schon im April musste Molly mit 8.7.3-2 eine Fassung nachschieben, die laut Release-Notiz Probleme beim Senden für Nutzer von Unified Push behob.

Woran es diesmal liegt, ist nicht belegt; dazu schweigt das Projekt. Strukturell ist die Ursache aber offensichtlich. Ein Fork, der mit einem fremden, zentral betriebenen Server spricht, muss jede Änderung dieses Servers nachziehen, und zwar in dessen Takt, nicht in seinem eigenen. Signal ändert sein Protokoll, wann es will, und schuldet Molly nichts — das hat Marlinspike 2016 ausdrücklich so gesagt. Ein kleines, unabhängiges Projekt kann dieses Wettrennen eine Weile mithalten. Dauerhaft gewinnen kann es nicht. Und ausgerechnet ein Messenger für Sicherheitsbewusste, der dem Original um zehn Versionen hinterherläuft, ist eine Pointe, über die niemand lachen möchte — selbst wenn Molly verspricht, Sicherheitskorrekturen sofort nachzuziehen.

Zwischenfazit: Signal ist sicher, aber nur zu Signals Bedingungen. Molly hat versucht, diese Bedingungen zu verbessern, und zeigt gerade, warum das auf Dauer nicht trägt. Das liegt nicht an den Entwicklern von Molly, sondern an der Architektur, die Signal bewusst gewählt hat.

Matrix: offen, föderiert, mit eigenen Baustellen

Matrix ist in fast jedem dieser Punkte das Gegenmodell. Es ist ein offenes Protokoll, das jeder auf einem eigenen Server betreiben kann, und es gibt nicht eine App, sondern viele. Die Matrix.org Foundation empfiehlt selbst Element und Element X, FluffyChat, Cinny und Nheko. Unified Push ist dort kein Bastelprojekt: In der Liste von unifiedpush.org stehen unter anderem Element, Element X, FluffyChat und SchildiChat. Wie das mit Element konkret aussieht, zeigt unsere Anleitung Element ohne Google Push. Entscheidet sich ein Client-Projekt für etwas, das euch nicht passt, nehmt ihr einen anderen — ohne euer Konto, eure Kontakte oder euren Server zu wechseln. Genau das kann Molly nicht.

Wer allerdings Signal die Finanzen vorhält und bei Matrix wegschaut, macht es sich zu leicht. Im Februar 2025 schrieb die Foundation in „Crossroads", sie sei „not yet sustainable": 561.000 Dollar Einnahmen standen 2024 Ausgaben von 1,2 Millionen gegenüber, ohne 100.000 Dollar Soforthilfe drohte die Abschaltung der Brücken zu Slack, XMPP und IRC. Der Jahresbericht vom März 2026 meldet Besserung — 38 Prozent mehr Einnahmen, der Verlust sank von 50 auf 34 Prozent der Kosten —, aber auch, dass die Hälfte der Einnahmen von einem einzigen Mitglied stammt, Automattic, und dass die Foundation „disproportionately dependent on Element's in-kind donations and financial support" sei. Signal hängt an wenigen grossen Gebern. Matrix hängt an einer Firma.

Diese Firma hat bereits einmal gezeigt, dass sie die Regeln ändern kann. Im November 2023 stellte Element den wichtigsten Server, Synapse, von der Apache-Lizenz auf die AGPLv3 um und verlangt seither von neuen Beitragenden eine Lizenzvereinbarung. Für Selbsthoster ändert das wenig, die AGPL ist eine freie Lizenz. Aber es zeigt, dass auch bei Matrix eine Stelle wichtige Entscheidungen allein treffen kann. Der Unterschied zu Signal: Die Spezifikation ist offen, es gibt weitere Server-Implementierungen, und ein Fork bleibt mit dem Rest des Netzes verbunden.

Bleiben die Metadaten, und hier ist Matrix klar schlechter. Jeder beteiligte Homeserver kennt Mitgliedschaften, Zeitpunkte und Gegenstellen eurer Räume. Wie viel genau, steht im Metadaten-Vergleich. Wer seinen eigenen Server betreibt oder einen vertrauenswürdigen Betreiber nutzt, verschiebt dieses Problem dorthin, wo er es kontrolliert. Wer einfach ein Konto auf matrix.org anlegt, hat es dagegen gegen einen anderen zentralen Betreiber eingetauscht. Hier gehört eine Offenlegung hin: Wir betreiben selbst einen öffentlichen Matrix-Server und einen MollySocket-Dienst. Wir haben also an beiden Seiten dieses Vergleichs ein eigenes Interesse, und ihr solltet das wissen.

Die Gegenposition: Zentralisierung ist ein Feature

Das stärkste Argument für Signal stammt von Signal selbst, und es verdient eine ernsthafte Antwort. Marlinspike begründete die Absage an Föderation damit, dass ein föderiertes Protokoll kaum noch zu ändern sei, weil alle Server mitziehen müssten. Ein zentraler Dienst kann dagegen über Nacht eine neue Verschlüsselung ausrollen, Sealed Sender einführen oder Telefonnummern optional machen. Matrix kennt das Gegenteil: Neue Funktionen hängen an Spezifikationsvorschlägen und an Homeservern, die sie umsetzen müssen.

Das Argument stimmt — für die Technik. Für die Organisation dreht es sich um. Dieselbe Zentralisierung, die schnelle Verbesserungen erlaubt, erlaubt auch schnelle Fehlentscheidungen wie den MobileCoin-Ausflug, und sie macht jede Abhängigkeit, ob von Google, von einem Darlehen oder von einer Handvoll Grossspendern, zu einer Abhängigkeit aller Nutzer. Dass Signal diese Macht bisher überwiegend im Sinne seiner Nutzer eingesetzt hat, ist ein Verdienst der handelnden Personen. Eine Garantie ist es nicht.

Auch die Absage an F-Droid lässt sich so begründen, und Marlinspike tat es mit dem Satz, er sehe keinen Vorteil darin. Der Vorteil liegt allerdings auf der Hand, nur nicht für Signal: Wer F-Droid nutzt, braucht weder ein Google-Konto noch den Play Store, um Updates zu bekommen. Ausgerechnet die reproduzierbaren Builds, die Signal seit 2016 anbietet, wären die ideale Grundlage für eine überprüfbare Fassung aus einer zweiten Quelle. Dass Signal darauf verzichtet, ist kein Sicherheitsargument. Es ist eine Frage der Kontrolle über den Verteilweg — und die will Signal nicht teilen.

Das zweite Gegenargument lautet, Matrix sei für normale Menschen zu kompliziert. Das ist leiser geworden, seit Element X und FluffyChat sich wie gewöhnliche Messenger bedienen lassen, aber es ist nicht falsch: Wer zwischen Homeservern wählen, Schlüssel sichern und Geräte verifizieren muss, hat mehr zu tun als bei Signal. Diese Arbeit ist der Preis der Unabhängigkeit. Wer sie nicht leisten will, ist bei Signal besser aufgehoben als bei einem schlecht betreuten Matrix-Konto.

Signal, Molly oder Matrix: was das für euch heisst

Eine Antwort für alle gibt es nicht, aber es gibt klare Fälle.

  • Ihr nutzt ein Telefon mit Google-Diensten oder GrapheneOS mit Sandboxed Google Play: Bleibt bei der offiziellen Signal-App. Ihre Kryptografie ist unbestritten, und die Abhängigkeit von FCM habt ihr dort ohnehin.
  • Ihr nutzt Molly und es läuft: Behaltet im Auge, wie weit Molly hinter Signal liegt. Zehn Versionen Rückstand sind ein Warnzeichen, auch wenn Molly verspricht, Sicherheitskorrekturen sofort zu übernehmen. Ein Backup der Chats vor jedem grösseren Sprung ist Pflicht.
  • Molly stellt nicht mehr zu: Der kurzfristige Ausweg ist die offizielle Signal-App als APK, die ohne Google-Dienste über WebSocket statt FCM arbeitet. Sie spricht mit denselben Servern, das Konto registriert ihr mit derselben Nummer neu, und die Chats kommen über ein Backup mit — Molly bezeichnet seine Sicherungen als kompatibel mit Signal. Das kostet etwas Akku, funktioniert aber.
  • Euch geht es um Unabhängigkeit, nicht nur um Verschlüsselung: Dann ist Matrix die konsequentere Wahl, am besten auf einem eigenen oder einem vertrauten Homeserver und mit einem Client, der Unified Push kann. Rechnet mit mehr Metadaten beim Server und mit etwas mehr Aufwand.
  • Euer Umfeld ist auf Signal: Dann bleibt Signal der Messenger, über den ihr eure Leute erreicht. Matrix ersetzt Signal nicht über Nacht, es kann neben ihm wachsen — für Gruppen, Familien und Projekte, die ihre Infrastruktur selbst in der Hand haben wollen.

Fazit: Signal ist sicher, aber nicht eures

An Signal ist nichts faul. Die Verschlüsselung hält, die Datensparsamkeit ist belegt, und die Finanzen liegen offener auf dem Tisch als bei fast jedem anderen Messenger. Merkwürdig wird Signal erst, wenn ihr fragt, wer bestimmt: wie ihr die App bekommt, über welchen Dienst sie euch weckt, ob ein Fork mitspielen darf und wofür das Geld der Stiftung ausgegeben wird. Die Antwort lautet jedes Mal: Signal, und zwar allein.

Molly war der Versuch, die beste Verschlüsselung mit mehr Freiheit zu verbinden, und er zeigt gerade seine Grenze. Matrix bietet diese Freiheit von Grund auf, verlangt dafür aber Mitdenken, einen guten Homeserver und Geduld mit einer Foundation, die selbst noch um ihr Budget kämpft. Das ist der ehrliche Tausch: Bei Signal vertraut ihr einer Organisation, bei Matrix vertraut ihr vor allem euch selbst. Für einen Blog, der Selbsthosting nicht als Hobby versteht, ist die Richtung damit klar — aber wer heute nur sicher chatten will, macht mit Signal nichts falsch.

Quellen und weiterführende Links

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert