Mit Seal Youtube Videos herunterladen auf Android
Die Seal App ist ein freier Video- und Audio-Downloader für Android: Link einfügen, Format wählen, fertig ist die Offline-Kopie. Unter der Haube arbeitet yt-dlp, das Kommandozeilenwerkzeug, das Videos von YouTube und vielen weiteren Plattformen lädt. Seal legt eine aufgeräumte Material-You-Oberfläche darüber, damit ihr auf dem Smartphone kein Terminal braucht. Das ist bequem, hat aber eine Kehrseite: Seal ist genau so gut wie das yt-dlp darunter — und YouTube baut seine Seiten regelmässig so um, dass yt-dlp nachziehen muss. Ein Downloader für YouTube ist deshalb weniger eine App als ein Abonnement auf Aktualisierungen.

Was ist die Seal App und was kann sie
Seal ist ein Open-Source-Projekt unter GPLv3, entwickelt im Repository JunkFood02/Seal. Die App ist laut Projektbeschreibung eine grafische Oberfläche für yt-dlp und baut auf der Bibliothek youtubedl-android auf, die yt-dlp, FFmpeg und optional aria2c auf Android lauffähig macht. Die README nennt unter anderem diese Funktionen:
- Videos und Audiodateien von allen Plattformen herunterladen, die yt-dlp unterstützt
- Metadaten und Vorschaubild in extrahierte Audiodateien einbetten
- ganze Wiedergabelisten mit einem Klick laden
- Untertitel in die Videos einbetten
- aria2c als externen Downloader für alle Downloads verwenden
- eigene yt-dlp-Befehle als Vorlagen speichern und ausführen
Welche Seiten das konkret sind, steht in der Liste der unterstützten Seiten von yt-dlp. Das Projekt schreibt dort selbst ehrlich dazu, dass nicht jede aufgeführte Seite garantiert funktioniert, weil sich Webseiten laufend ändern, und dass der einzige verlässliche Test der Versuch ist. Zusätzlich kann Seal über die SponsorBlock-Schnittstelle gesponserte Abschnitte aus Videos entfernen oder markieren.
Seal oder NewPipe: wann welches Werkzeug passt
Wer YouTube auf Android ohne Google-Konto schauen will, landet meist bei NewPipe. NewPipe kann laut seiner Projektbeschreibung ebenfalls Videos, Audiospuren und Untertitel herunterladen. Die beiden Apps lösen trotzdem verschiedene Aufgaben: NewPipe ist ein Abspieler mit Downloadfunktion, Seal ist ein reiner Downloader. Ihr sucht und schaut also in NewPipe, und greift zu Seal, wenn es um mehr Plattformen als die von NewPipe unterstützten geht, um feinere Formatwahl, eingebettete Metadaten oder ganze Wiedergabelisten als Dateien, die ihr weitergeben wollt. Auf dem Desktop übernimmt FreeTube die Rolle von NewPipe.
Seal installieren
Seal gibt es auf zwei Wegen, einen Google-Play-Eintrag nennt das Projekt nicht:
- F-Droid: Im Hauptrepository steht Seal als com.junkfood.seal, aktuell in Version 1.13.1, ab Android 5.0. Wie F-Droid funktioniert, steht in unserer Anleitung zu F-Droid. F-Droid markiert die App mit dem Anti-Feature „Non-Free Network Services“, weil sie zum Prüfen und Herunterladen von yt-dlp-Aktualisierungen die GitHub-Schnittstelle anspricht.
- GitHub: Auf der Release-Seite liegen die stabilen Fassungen und zusätzlich Vorabversionen der kommenden Reihe 2.0.0. Für die meisten Geräte empfiehlt das Projekt die APK-Variante
arm64-v8a. Wer GitHub-Releases bequem aktuell halten will, nimmt dafür Obtainium.
Der Aurora Store hilft hier nicht weiter, denn er ist ein Client für den Play Store und findet nur Apps, die dort angeboten werden. Beim Installieren einer APK von GitHub müsst ihr Android einmalig erlauben, Apps aus dieser Quelle zu installieren. Danach braucht Seal Zugriff auf den Speicher, um die Dateien ablegen zu können.
Die wichtigsten Einstellungen von Seal
Die Bildschirmfotos in diesem Abschnitt stammen vom März 2024 und zeigen die damalige Fassung der App. Die genannten Menübezeichnungen sind mit der deutschen Übersetzungsdatei des Projekts abgeglichen; in neueren Versionen kann die Anordnung trotzdem abweichen.
Allgemeine Einstellungen
Ganz oben unter „Allgemein“ steht der wichtigste Eintrag der ganzen App: yt-dlp aktualisieren. Darunter zeigt Seal die installierte yt-dlp-Version an. Weil Plattformen wie YouTube ihre Seiten laufend umbauen, ist ein veraltetes yt-dlp die häufigste Ursache, wenn ein Download plötzlich scheitert. Ebenfalls hier: die Benachrichtigung bei fertigem Download, die Option Vor dem Herunterladen konfigurieren, mit der ihr vor jedem Download die Einstellungen noch einmal prüfen könnt, und das automatische Speichern des Vorschaubilds.
Weiter unten im Bereich „Datenschutz“ schaltet Inkognito den Download-Verlauf ab, und Vorschau deaktivieren verhindert, dass Seal während des Downloads Vorschaubilder anzeigt.
Downloadordner
Unter „Downloadordner“ legt ihr die Ablage für Videos und Audiodateien getrennt fest. Ohne Änderung landen die Dateien im Download-Ordner des Smartphones unter Seal. Die Option Privater Ordner speichert die Downloads in einem versteckten Ordner; gewöhnliche Dateimanager zeigen sie dann nicht an, über Seal lassen sie sich weiterhin öffnen und teilen.
Format
Unter „Format“ steckt die eigentliche Stärke der App. Wer nur die Tonspur will, etwa für Podcasts oder Vorträge, schaltet Als Audio speichern ein und legt Audioformat und -qualität fest. Für Videos gibt es beim bevorzugten Videoformat zwei Wege, die die Übersetzungsdatei so beschreibt: Legacy bevorzugt MP4 mit H.264 für die Weitergabe an andere Apps, Qualität bevorzugt AV1, VP9 oder H.265 für die Wiedergabe in kompatiblen Apps. Wer Videos verschicken will, fährt mit Legacy sicherer, weil H.264 praktisch überall abspielt.
Tipp zur Videoqualität: Werden die Videos nur auf dem Smartphone geschaut, reichen 720p vollkommen aus. Das spart Speicherplatz und Zeit beim Herunterladen.
Untertitel lädt Seal nur, wenn ihr sie unter „Untertitel“ aktiviert; dort lassen sich auch Sprachen und automatische Untertitel einstellen.
Netzwerk
Unter „Netzwerk“ setzt ihr eine Geschwindigkeitsbegrenzung und entscheidet mit Herunterladen über Mobilfunk, ob Seal auch ausserhalb des WLAN lädt. Ausserdem lässt sich ein Proxy eintragen. Ohne Proxy oder VPN holt Seal die Videos direkt von den Servern der Plattform, und YouTube sieht eure IP-Adresse. Was ein VPN dabei leistet und was nicht, steht im Artikel Bin ich mit einem VPN anonym?.
Ein Invidious-Link versteckt die IP-Adresse dagegen nicht zuverlässig. yt-dlp führt im Quelltext eine Liste bekannter Invidious-Instanzen und behandelt Links auf diese Instanzen wie gewöhnliche YouTube-Links: Es liest nur die Video-ID heraus und lädt dann bei YouTube selbst. Für Instanzen, die nicht auf der Liste stehen, ist nicht dokumentiert, welchen Weg der Download nimmt. Dazu kommt, dass YouTube Invidious-Server immer wieder sperrt; auf der Seite unseres eigenen Invidious-Dienstes steht dazu derzeit ein entsprechender Hinweis.
Videos herunterladen mit Seal
Für einen Download kopiert ihr die Adresse des Videos in das Feld „Videolink“ der Startseite und tippt auf den Download-Knopf. Den Link bekommt ihr über die Teilen-Funktion der jeweiligen App, etwa aus NewPipe, oder aus der Adresszeile des Browsers. Führt der Link zu einer Wiedergabeliste, kann Seal die ganze Liste laden.
Ist Vor dem Herunterladen konfigurieren eingeschaltet, öffnet sich vor jedem Download ein Dialog, in dem ihr Audio oder Video wählt und die Einstellungen für diesen einen Download anpasst. Über die benutzerdefinierte Formatauswahl zeigt Seal anschliessend alle Formate, die die Plattform anbietet.
Das vorgeschlagene Format ergibt sich aus euren Einstellungen. Steht dort neben dem Videoformat „audio only“, ist das kein Fehler: yt-dlp lädt Bild- und Tonspur getrennt und fügt sie danach zusammen. Weiter unten stehen die reinen Audio- und Videoformate zur Auswahl. Mit „Herunterladen“ oben rechts startet der Download im Hintergrund.
Videos teilen
Im Download-Verlauf der App findet ihr alle heruntergeladenen Dateien und könnt sie über das Drei-Punkte-Menü teilen. Ohne privaten Ordner liegen sie zusätzlich im Download-Ordner des Smartphones unter Seal.
Was YouTube vom Herunterladen hält
Die Nutzungsbedingungen von YouTube untersagen es, Inhalte herunterzuladen, ausser der Dienst erlaubt es ausdrücklich oder YouTube und gegebenenfalls die Rechteinhaber haben vorher schriftlich zugestimmt. Was das rechtlich für den privaten Gebrauch in der Schweiz bedeutet, ist eine andere Frage, die dieser Artikel nicht beantwortet. Praktisch heisst es: Seal funktioniert bei YouTube nur so lange, wie yt-dlp mit den Änderungen der Plattform Schritt hält, und auf Mithilfe von YouTube dürft ihr dabei nicht hoffen.
Was noch offen ist
Der wichtigste offene Punkt betrifft genau dieses Wettrüsten. Laut README von yt-dlp ist das Zusatzpaket yt-dlp-ejs „Required for full YouTube support“, und dafür braucht es eine JavaScript-Laufzeit wie Deno, Node.js, Bun oder QuickJS. Eine solche Laufzeit liefert Seal nach den Abhängigkeiten im Repository nicht mit.
Die Folgen stehen im Fehlertracker des Projekts. In Issue 2405 melden mehrere Nutzer mit Seal 1.13.1 die Meldung „No supported JavaScript runtime could be found“, teils gefolgt von einem HTTP-Fehler 403; betroffen sind dort vor allem altersbeschränkte YouTube-Videos. Die Anfrage, eine JavaScript-Laufzeit einzubauen (Issue 2305), und ein Vorschlag, Deno direkt mitzuliefern (Issue 2640), sind offen; eine Antwort des Entwicklers dazu liess sich nicht finden.
Offen ist damit dreierlei: wie viele YouTube-Videos mit der stabilen Fassung tatsächlich nicht mehr laden, ob die kommende Reihe 2.0.0 das Problem löst, und wie gut Seal mit anderen Plattformen arbeitet, die keine JavaScript-Prüfung verlangen. Wer Seal einsetzt, aktualisiert deshalb zuerst yt-dlp in der App und prüft bei einem Fehlschlag die Fehlermeldung, bevor die eigenen Einstellungen in Verdacht geraten.
Fazit: Seal ist der beste Rahmen für yt-dlp auf Android — mehr nicht
Seal macht aus einem Kommandozeilenwerkzeug eine App, die sich in wenigen Minuten einrichten lässt: freie Lizenz, im F-Droid-Hauptrepository, durchdachte Formatwahl, Wiedergabelisten, eingebettete Metadaten. Für Downloads ausserhalb von YouTube und für alles, was ihr als Datei behalten oder weitergeben wollt, ist das ein starkes Werkzeug. Bei YouTube selbst hängt der Erfolg aber an yt-dlp und dessen JavaScript-Unterbau — und den bringt Seal derzeit nicht mit. Die App ist also so lange hervorragend, wie Google sie lässt. Das ist bei YouTube-Werkzeugen kein Makel von Seal, sondern die Geschäftsbedingung.
Weitere freie Apps für euer Smartphone findet ihr in unserer Übersicht Die besten Android Open Source Apps.
Quellen und weiterführende Links
- Seal, Repository und README (GitHub)
- Seal, Releases (GitHub)
- Seal im F-Droid-Hauptrepository
- Seal, deutsche Übersetzungsdatei (Menübezeichnungen)
- youtubedl-android (GitHub)
- yt-dlp, README mit Abhängigkeiten (GitHub)
- yt-dlp, Liste der unterstützten Seiten
- yt-dlp, Quelltext mit der Liste der Invidious-Instanzen
- Seal, Issue 2405: No supported JavaScript runtime
- Seal, Issue 2305: JavaScript-Laufzeit für yt-dlp
- Seal, Issue 2640: Deno mitliefern
- YouTube, Nutzungsbedingungen







