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CoMaps vs. Organic Maps: Welche Offline-Karten-App ist die bessere Google-Maps-Alternative?

Wer Google Maps loswerden will, landete in den letzten Jahren fast zwangsläufig bei Organic Maps. Wir haben euch die App selbst schon als schlanke Alternative zu OsmAnd und Google Maps vorgestellt. Seit 2025 gibt es aber einen zweiten Kandidaten, der fast gleich aussieht und aus demselben Code stammt: CoMaps. Die Frage „CoMaps vs. Organic Maps" ist deshalb keine reine Geschmacksfrage, sondern hat viel damit zu tun, wem ihr eine App anvertraut, die jederzeit weiss, wo ihr euch befindet.

Wanderweg in den Alpen, der sich in zwei Pfade teilt, davor ein Smartphone mit Offline-Karte

In diesem Artikel ordnen wir für euch ein, warum es den Fork überhaupt gibt, was sich bei Organic Maps seither verändert hat, wie sich die beiden Apps im Herbst 2026 bei Funktionen und Datenschutz unterscheiden und welche wir auf einem GrapheneOS-Smartphone installieren würden.

Kurz gesagt: Welche App solltet ihr nehmen?

Technisch liegen beide Apps nah beieinander: offline, ohne Werbung, ohne Konto, auf Basis von OpenStreetMap. Der grosse Unterschied liegt in der Führung des Projekts. Organic Maps gehört einer privaten Firma mit drei Gesellschaftern, CoMaps ist ein gemeinnützig ausgerichtetes Community-Projekt. Für Datenschutz-Puristen und GrapheneOS-Nutzer ist CoMaps deshalb unsere Empfehlung. Organic Maps bleibt eine funktionierende Google-Maps-Alternative, hat aber offene Fragen bei Lizenz und Transparenz, die man kennen sollte.

Was ist CoMaps? Die Geschichte hinter dem Fork

Um den Streit zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. Organic Maps entstand im Dezember 2020 selbst als Fork von Maps.me, nachdem der damalige Eigentümer eine Version veröffentlicht hatte, die nicht mehr auf dem öffentlichen Quellcode basierte. Zwei der ursprünglichen Maps.me-Entwickler gründeten das neue Projekt, das sich von Anfang an mit Privatsphäre, Performance und Community-Mitbestimmung bewarb.

Zeitstrahl von MapsWithMe über Maps.me und Organic Maps bis zum Fork CoMaps

Formell gehörte das Projekt aber der Organic Maps OÜ, einer in Estland registrierten Firma mit den drei Gesellschaftern Viktar Havaka, Alexander Borsuk und Roman Tsisyk. Am 21. März 2025 schickten Mitwirkende einen Brief an diese Gesellschafter, am 16. April 2025 wurde er als offener Brief veröffentlicht. Die Kernforderungen: Umbau in eine gemeinnützige Struktur, nachvollziehbare Entscheidungen und offene Finanzen. Bis Mitte Mai 2025 hatten knapp 200 Personen unterschrieben.

Im Brief und in den Diskussionen danach wurden mehrere Vorwürfe laut: eine nicht abgesprochene Affiliate-Partnerschaft mit einer Reiseplattform, eine Firmenstruktur, in der sich die Gesellschafter gegenseitig blockieren konnten, und der Vorwurf, Spendengelder seien teilweise für private Ausgaben verwendet worden. Wichtig für eine faire Einordnung: Das sind Anschuldigungen aus der Community, keine gerichtlich festgestellten Tatsachen.

Weil keine Einigung zustande kam, gründeten ehemalige Mitwirkende im April 2025 CoMaps auf Codeberg. Der Name wurde per Community-Abstimmung gewählt, die erste Android-Vorschau erschien am 1. Juni 2025. Laut einem Vortrag auf der State of the Map 2026 zählte das Projekt im April 2026 rund 50 Entwickler und über 250 Übersetzer, die die App in etwa 80 Sprachen bringen.

Was ist seither bei Organic Maps passiert?

Organic Maps ist nicht tot, im Gegenteil. Die App bekommt weiterhin regelmässig Updates. Das Juni-Update 2026 brachte optionale Satellitenbilder, Routing für den öffentlichen Verkehr mit U-Bahn, Bus und Tram sowie die kürzeste Route als Alternative zur schnellsten. Im August folgten ein CarPlay-Dashboard und Mehrfachauswahl für Lesezeichen, im September bessere Alternativrouten und eine Option, Zwischenstopps automatisch zu sortieren.

Gleichzeitig hat Organic Maps Entscheidungen getroffen, die den Vorwurf der fehlenden Offenheit eher bestärkt haben. Im August 2025 wurden die kompilierten Kartendateien unter eine eigene, nicht freie Lizenz gestellt, die eine Weitergabe unter anderem Namen verbietet. Die App selbst bleibt unter Apache 2.0, die Karten, ohne die sie nutzlos ist, aber nicht mehr. Dazu kommen ältere Kritikpunkte: Der sogenannte Metaserver für Karten-Downloads war bis Dezember 2024 nur in einem privaten Repository verfügbar und läuft auf Cloudflare. Und die Affiliate-Links zu einer Hotelbuchungsplattform waren von November 2023 bis Mai 2025 in der App, bevor sie nach heftiger Kritik entfernt wurden.

CoMaps vs. Organic Maps: Die Funktionen im Vergleich

Vergleichstabelle CoMaps vs. Organic Maps: Organisation, Code, Release-Takt, Kartenupdates, Neuerungen 2026, Plattformen

Im Alltag fühlen sich beide Apps sehr ähnlich an. Ihr ladet Karten für ein Land oder eine Region herunter und navigiert danach komplett ohne Internetverbindung, zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Auto. Die Unterschiede stecken im Detail.

Was CoMaps zusätzlich mitbringt: Laut der offiziellen Übersicht des Projekts gibt es wöchentliche Kartenupdates, ohne dass ihr dafür die App aktualisieren müsst. Beim Routing könnt ihr befestigte oder unbefestigte Strassen sowie Treppen meiden, was gerade beim Wandern und Velofahren praktisch ist. Dazu kommen eine Vorschau der Abbiegeanweisungen, Bewertungen über das offene Mangrove-Projekt (vorerst nur Android und Linux), automatische Backups eurer Favoriten unter Android, Links zu Panoramax-Strassenbildern und ein deutlich ausgebauter OpenStreetMap-Editor inklusive OSM Notes. Das Juli-Update hat zudem getrennte Routing-Optionen pro Verkehrsmittel und bessere Anweisungen in Kreiseln gebracht.

Wo Organic Maps vorne liegt: Beim ÖV-Routing und bei den Satellitenbildern hat Organic Maps 2026 Funktionen ausgeliefert, die über das gemeinsame Erbe hinausgehen. Organic Maps ist ausserdem länger auf dem Markt und deutlich verbreiteter, was sich etwa an der Zahl der Sterne auf GitHub zeigt, wo Organic Maps rund achtmal mehr hat als CoMaps. Einige Nutzer bevorzugen zudem die Kartendarstellung von Organic Maps, etwa bei den Wander- und Velo-Ebenen.

Beim Tempo hat CoMaps klar zugelegt. Die Community veröffentlicht rund zwei Versionen pro Monat, die Release-Liste auf Codeberg ist öffentlich einsehbar. Ein CoMaps-Entwickler hat auf Hacker News erklärt, dass CoMaps regelmässig Änderungen von Organic Maps übernimmt, umgekehrt aber bisher nicht. Das ist allerdings die Sicht einer Seite.

Datenschutz: Wo liegen die echten Unterschiede?

Vorweg: Beide Apps sind um Welten datenschutzfreundlicher als Google Maps. Beide funktionieren offline, beide kommen ohne Konto und ohne Werbung aus, und beide erstellen kein Bewegungsprofil auf einem Server. Wer heute noch Google Maps nutzt, macht mit jeder der beiden Apps einen grossen Schritt nach vorne. Mehr zu diesem Thema findet ihr in unserem Ratgeber zum Schutz eurer Privatsphäre.

Die Unterschiede liegen in den Details, die für ein De-Google-Setup aber relevant sind. In den Builds von Organic Maps aus dem Google Play Store wird euer Standort laut isitreallyfoss.com über Googles proprietären Fused Location Provider ermittelt. In den F-Droid-Builds wurde das im November 2024 durch eine freie Lösung ersetzt, für den Play Store aber nicht. Auf einem GrapheneOS-Gerät ohne Google Play spielt das keine Rolle, auf einem normalen Android-Smartphone aber schon.

CoMaps verpflichtet sich ausdrücklich zu Transparenz, Datenschutz und Gemeinnützigkeit und legt seine Finanzen offen. Im Forum von Privacy Guides wird CoMaps deshalb als das Projekt gesehen, das die Open-Source-Kriterien besser erfüllt. Ganz ohne Kritik kommt aber auch CoMaps nicht davon: Ein Nutzer bemängelt dort, dass CoMaps zusätzliche Points of Interest aus Quellen ausserhalb von OpenStreetMap ausliefert. Diese lassen sich nicht einfach abschalten und können dazu führen, dass Nutzer nicht existierende Orte an OSM melden. Wer ein reines OSM-Erlebnis will, sollte das wissen.

Und was ist mit OsmAnd?

OsmAnd ist der dritte grosse Name bei den Offline-Karten-Apps auf Basis von OpenStreetMap. Die App ist mächtiger, bietet mehr Einstellungen, Kartenebenen und Spezialfunktionen, ist dafür aber auch deutlich komplexer in der Bedienung. CoMaps und Organic Maps setzen bewusst auf Einfachheit. Wer eine App für den Alltag sucht, die man ohne Handbuch versteht, ist bei CoMaps oder Organic Maps besser aufgehoben. Wer gerne an jedem Detail dreht, wird mit OsmAnd glücklich. Einen ausführlicheren Vergleich findet ihr in unserem Artikel zu Organic Maps und OsmAnd.

CoMaps auf GrapheneOS und Android installieren

CoMaps gibt es im Google Play Store, im App Store, auf F-Droid und seit Anfang 2026 auch für Linux über Flathub. Auf einem GrapheneOS-Smartphone empfehlen wir euch die F-Droid-Version, weil sie vollständig aus dem öffentlichen Quellcode gebaut wird und nicht vom Google-Ökosystem abhängt.

Wechselt ihr von Organic Maps, könnt ihr eure Lesezeichen und Tracks in Organic Maps exportieren und in CoMaps wieder importieren. Da beide Apps auf derselben Codebasis beruhen, sollte das in der Regel problemlos klappen. Prüft nach dem Import trotzdem kurz, ob alle Listen vollständig angekommen sind, bevor ihr Organic Maps deinstalliert.

Ihr habt noch kein Smartphone mit GrapheneOS? Wir installieren GrapheneOS auch auf eurem eigenen Pixel, damit ihr Karten-Apps wie CoMaps ganz ohne Google-Dienste nutzen könnt. Dass solche Alternativen wichtiger werden, zeigt auch Googles Plan, die Installation von Apps ausserhalb des Play Stores zu erschweren. Mehr dazu in unserem Beitrag Keep Android Open.

Häufige Fragen zu CoMaps und Organic Maps

Ist CoMaps kostenlos?

Ja. CoMaps ist kostenlos, werbefrei und Open Source unter der Apache-2.0-Lizenz. Das Projekt finanziert sich über Spenden.

Ist CoMaps nur eine Kopie von Organic Maps?

Am Anfang ja, inzwischen nicht mehr. CoMaps startete mit dem Code von Organic Maps, hat aber seit April 2025 zahlreiche eigene Funktionen entwickelt, etwa wöchentliche Kartenupdates, erweiterte Routing-Optionen und Bewertungen über Mangrove. Umgekehrt hat auch Organic Maps eigene Neuerungen wie das ÖV-Routing.

Ist Organic Maps noch sicher nutzbar?

Ja. Organic Maps sammelt laut eigenen Angaben keine persönlichen Daten und funktioniert weiterhin offline. Die Kritik betrifft vor allem die Führung des Projekts, die Lizenz der Kartendateien und Google-Komponenten in den Play-Store-Builds, nicht ein konkretes Datenleck.

Fazit: CoMaps ist die konsequentere Wahl

Organic Maps hat vieles richtig gemacht und liefert weiterhin gute Updates, zuletzt mit ÖV-Routing und Satellitenbildern. Aber eine Navigations-App ist Vertrauenssache. Sie kennt euren Standort, eure Routen und eure gespeicherten Orte. Wenn ein Projekt seine Kartendaten unter eine proprietäre Lizenz stellt, Server-Komponenten lange geschlossen hielt und Fragen zur Mittelverwendung nicht transparent beantwortet, ist das für ein Datenschutz-Werkzeug ein echtes Problem.

CoMaps nimmt denselben technischen Kern und stellt ihn auf ein offenes Fundament: öffentlicher Code auf Codeberg, nachvollziehbare Entscheidungen, gemeinnützige Ausrichtung und eine Community, die in hohem Tempo liefert. Das Projekt ist jünger und muss seine Langlebigkeit noch beweisen, aber nach eineinhalb Jahren und regelmässigen Releases sieht es nicht nach einem kurzlebigen Fork aus. Für euer GrapheneOS-Smartphone oder jedes andere Gerät, auf dem ihr Google Maps ersetzen wollt, ist CoMaps deshalb unsere Empfehlung.

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