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F-Droid Installation und Anwendung

Wer F-Droid installieren will, holt sich nicht einfach einen zweiten App Store aufs Telefon, sondern die einzige grosse Verteilkette für Android-Apps, die niemandem gehört, der damit Geld verdienen will. Das war 2024 ein Argument für Privatsphäre. 2026 ist es ein Argument fürs Überleben: Google verlangt künftig von jedem Entwickler eine Registrierung mit amtlichem Ausweis, bevor dessen App auf einem zertifizierten Android-Gerät überhaupt noch installiert werden darf – und F-Droid nennt das eine Bedrohung der eigenen Existenz. Dieser Artikel zeigt euch, wie ihr F-Droid installiert, einrichtet und im Alltag benutzt, und ordnet ein, was da gerade auf den freien App-Vertrieb zurollt.

Das Logo des freien Android-App-Stores F-Droid

Was F-Droid ist – und warum ihr F-Droid installieren solltet

F-Droid ist ein App-Katalog ausschliesslich für freie und quelloffene Software. Das Projekt wurde 2010 von Ciaran Gultnieks gegründet und wird bis heute von Freiwilligen getragen; rechtlich sitzt es unter dem Dach der Commons Conservancy. Es gibt keinen Konzern dahinter, keine Werbeplätze und kein Interesse daran, euer Nutzungsverhalten zu verwerten.

Der entscheidende Unterschied zum Google Play Store liegt nicht im Sortiment, sondern im Vertrauensmodell. Bei Play ladet ihr ein fertiges Paket herunter und müsst dem Anbieter glauben, was darin steckt. Bei F-Droid ist der Quelltext jeder App öffentlich, und in aller Regel baut F-Droid die App selbst daraus. Ihr müsst nicht vertrauen, ihr könnt nachsehen.

Dazu kommt die Dezentralität: F-Droid ist nicht nur ein Katalog, sondern ein Format. Jedes Projekt kann ein eigenes Repository betreiben, und euer Client kann beliebig viele davon gleichzeitig abfragen. Genau diese Eigenschaft macht F-Droid zu dem, was von einem offenen Android noch übrig ist – und erklärt, warum das Projekt in der Debatte um Googles Pläne zur Schliessung von Android so exponiert steht.

Wie F-Droid Apps prüft: aus dem Quelltext gebaut, mit Anti-Features markiert

Hier hält sich ein Missverständnis hartnäckig, das auch in der ersten Fassung dieses Artikels stand: F-Droid enthalte grundsätzlich nur Apps ganz ohne Werbung und ohne Tracking. So einfach ist es nicht, und der Unterschied ist wichtig.

Verboten sind laut Inclusion Policy proprietäre Tracking- und Werbebibliotheken – namentlich Google Play Services, Firebase, Crashlytics und vergleichbare geschlossene SDKs. Ebenso verboten sind unfreie Werkzeuge im Bauprozess: F-Droid verlangt eine zu 100 Prozent freie Toolchain aus Debian-Paketen. Eine App, die ohne solche Bausteine nicht läuft, kommt nicht in den Katalog.

Alles darunter wird dagegen nicht ausgeschlossen, sondern beschriftet. F-Droid kennt zehn sogenannte Anti-Features, darunter Ads, Tracking, Known Vulnerability, NonFreeNet und NoSourceSince. Apps mit solchen Markierungen bleiben im Katalog, sind aber als das gekennzeichnet, was sie sind. Ihr könnt im Client einstellen, welche davon ihr überhaupt sehen wollt; als Tracking markierte Apps sind standardmässig ausgeblendet.

Der zweite Punkt, der oft falsch dargestellt wird, betrifft die Signatur. Der Normalfall ist, dass F-Droid die App aus dem Quelltext baut und mit dem eigenen Schlüssel signiert. Daneben gibt es reproduzierbare Builds: F-Droid baut die App nach, vergleicht das Ergebnis mit dem vom Entwickler signierten Paket und veröffentlicht nur, wenn beide Bit für Bit übereinstimmen. Dann tragt ihr die Signatur des Entwicklers auf dem Gerät und könnt zwischen den Bezugsquellen wechseln, ohne die App neu installieren zu müssen.

Zwei Clients: F-Droid und F-Droid Basic

Seit einigen Jahren gibt es das Projekt in zwei Ausführungen, und diese Wahl gab es 2024 so noch nicht in aller Deutlichkeit.

Der klassische F-Droid-Client ist der Funktionsumfang, den dieser Artikel beschreibt: alle Tabs, Teilen in der Nähe, Panic-Funktion, Tor-Unterstützung. Aktuell ist die stabile Fassung 1.23.2 vom 19. Februar 2026, die mit Version 1.23 auf Material Design 3 umgestellt wurde. Seit dem 4. August 2026 liegt zusätzlich 2.0-rc0 als Vorabversion vor, deren Oberfläche vollständig in Kotlin Compose neu geschrieben wurde – die Bildschirmfotos in diesem Artikel zeigen also einen älteren Stand der Oberfläche, die Bedienlogik ist geblieben.

F-Droid Basic ist die abgespeckte Variante: kein Teilen in der Nähe, keine Panic-Funktion, dafür Android 13 aufwärts als Ziel – und der praktisch wichtigste Unterschied: Basic kann Apps unbeaufsichtigt aktualisieren, ohne Privileged Extension und ohne Root. Wer F-Droid auf einem Custom-ROM betreibt und keine Lust hat, jedes Update einzeln zu bestätigen, fährt mit Basic deutlich bequemer. Auch Basic liegt inzwischen als 2.0-rc0 vor.

Braucht ihr das Teilen ohne Internetverbindung nicht – und das dürfte auf die meisten zutreffen –, ist Basic heute die naheliegendere Wahl. Wer lieber einen dritten Weg geht, findet in unserer Übersicht der alternativen Android App Stores weitere Clients, etwa Droid-ify als schlanken Aufsatz auf dieselben Repositories oder Obtainium, das Apps direkt aus den Release-Seiten der Projekte zieht.

F-Droid installieren: die APK von der Projektseite

F-Droid steht als APK direkt auf der Projektseite zum Herunterladen bereit. Ladet die Datei mit dem Smartphone herunter und öffnet sie. Eine Einrichtung ist nicht nötig, der Store lässt sich sofort verwenden.

Beim ersten Installieren einer App fragt Android, ob Installationen aus der Quelle F-Droid erlaubt sind. Tippt auf Einstellungen und setzt bei Dieser Quelle vertrauen den Haken:

Android-Systemdialog, der nach der Erlaubnis fragt, Apps aus der Quelle F-Droid zu installieren
Android-Einstellungsseite mit aktiviertem Schalter, der F-Droid als vertrauenswuerdige Installationsquelle freigibt

Danach lassen sich Apps ohne Zwischenschritte installieren.

F-Droid im Alltag: die Oberfläche

Die Bedienung ist übersichtlich. Der klassische Client hat fünf Hauptbereiche. Im Tab Neues stehen die zuletzt aufgenommenen Apps und Releases, die ihr noch nicht installiert habt, ohne Kategorisierung. Im Tab Kategorien sind die Apps thematisch sortiert – Geld, Grafik, Internet, Lesen, Multimedia und weitere –, was die Suche nach einem bestimmten Werkzeug erleichtert.

F-Droid-Tab Neues mit einer Liste zuletzt aufgenommener Apps
F-Droid-Tab Kategorien mit thematisch sortierten App-Gruppen

Im Tab Umfeld könnt ihr Apps ohne Internetverbindung direkt an andere Geräte weitergeben. Da eine fehlende Verbindung heute selten das Problem ist, bleibt dieser Tab für die meisten entbehrlich – genau deshalb fehlt er in F-Droid Basic. Über den Lupenbutton unten rechts sucht ihr gezielt nach Apps.

Apps aktualisieren

Im Tab Aufgaben stehen die verfügbaren Updates zu euren installierten Apps. Steht dort nichts, ist alles aktuell. Aufgelistete Apps aktualisiert ihr direkt über den Button Aktualisieren.

Hinweis

Möglicherweise tauchen hier auch Apps auf, die ihr mit Aurora oder dem Google Play Store heruntergeladen habt. Eine App lässt sich nur mit dem App Store aktualisieren, aus dem sie stammt – die Signatur muss übereinstimmen. Eine über Aurora bezogene App aktualisiert ihr also nicht in F-Droid, und umgekehrt. Die Ausnahme sind Apps mit reproduzierbarem Build, die überall dieselbe Entwicklersignatur tragen.

Einstellungen

Die Konfigurationsmöglichkeiten sind vielfältig und wirken auf den ersten Blick unübersichtlich. In der Praxis genügt es, zwei Punkte anzupassen: die Paketquellen und das Updateverhalten.

Paketquellen festlegen

Standardmässig zeigt F-Droid nur Apps aus dem eigenen Hauptrepository. Über zusätzliche Repositories erreicht ihr Apps, die dort nicht liegen oder dort langsamer ankommen.

Der Grund für diese Verzögerung ist übrigens nicht eine Freigabe durch die Community, wie hier früher stand, sondern der Bauprozess: F-Droid übersetzt jede App selbst aus dem Quelltext, und das braucht seine Zeit. Ein Repository, das der Anbieter selbst betreibt, liefert deshalb oft die frischere Version.

Repositories hinzuzufügen ist einfach. In den Einstellungen gibt es einen Bereich, in dem ihr einen QR-Code scannen oder die Adresse eines Repositories eintragen könnt. F-Droid prüft die Verbindung und nimmt die Quelle in die Liste auf.

F-Droid-Einstellungen mit der Liste der eingerichteten Paketquellen
F-Droid-Dialog zum Hinzufuegen eines Repositories per QR-Code-Scan

Ein Beispiel für einen solchen QR-Code steht im Download-Bereich von NewPipe, das ein eigenes Repository betreibt, weil Updates über den F-Droid-Hauptkatalog länger brauchen. Auch für die Molly-Variante von Signal braucht ihr ein zusätzliches Repository. Danach tauchen die Apps automatisch in der Suche auf, weitere Einstellungen sind nicht nötig.

Aktualisierungseinstellungen

Weiter unten in den Einstellungen legt ihr fest, ob Apps nur im WLAN automatisch aktualisiert werden und im Mobilfunknetz erst auf Knopfdruck im Aufgabentab. Das lohnt sich, wenn euer Datenvolumen begrenzt ist.

F-Droid-Aktualisierungseinstellungen mit der Wahl zwischen WLAN und Mobilfunknetz

Weitere Einstellungen: Design, Proxy und Tor

Darunter findet ihr die Einstellungen zum Erscheinungsbild sowie die Frage, ob F-Droid Apps über einen Proxy laden soll. Wir empfehlen, Apps nicht über Tor zu beziehen: F-Droid liefert signierte Pakete, deren Echtheit ihr ohnehin prüfen könnt, und das Tor-Netzwerk sollte nicht unnötig mit grossen Downloads belastet werden. Wollt ihr es trotzdem, braucht ihr Orbot zusammen mit F-Droid, aktiviert im Client die Tor-Option und lasst Orbot laufen.

Was Googles Entwickler-Verifizierung für F-Droid bedeutet

Das ist der Teil, den es 2024 noch nicht gab und der heute über allem anderen steht. Google baut die Installation von Apps auf zertifizierten Android-Geräten so um, dass nur noch Apps von registrierten Entwicklern über den normalen Weg installiert werden können. Registrierung heisst: Identität gegenüber Google nachweisen, in der Regel mit amtlichem Ausweis, plus Zustimmung zu den Bedingungen. Das betrifft nicht nur den Play Store, sondern jede Installationsquelle – auch F-Droid und den direkten APK-Download.

Die Eckdaten stehen in Googles eigenem Zeitplan vom Juni 2026: Ab Juni 2026 wird ein neuer Systemdienst auf die meisten Android-Geräte ausgerollt. Ab dem 30. September 2026 ist die Registrierung in Brasilien, Indonesien, Singapur und Thailand für die teilnehmenden Stores Pflicht. Nicht registrierte Apps lassen sich dort dann nur noch über adb oder über einen sogenannten Advanced Flow installieren. Die weltweite Ausweitung ist für 2027 und später angekündigt.

F-Droid hat dazu im Februar 2026 einen offenen Brief mitgezeichnet und rät Entwicklern unmissverständlich davon ab, sich zu registrieren. Das Projekt hielt Googles frühere Zusagen zu einem Weg für erfahrene Nutzer damals für nicht belastbar. Googles Juni-Ankündigung nennt einen solchen Advanced Flow inzwischen ausdrücklich, samt Sicherheitsabfragen gegen Betrugsmaschen. Wie belastbar er in der Praxis ist, wird sich erst zeigen, wenn er wirklich ausgeliefert ist.

Der offene Brief steht auf keepandroidopen.org und wurde von über 70 Organisationen aus mehr als 20 Ländern unterzeichnet, darunter die Electronic Frontier Foundation, die Free Software Foundation, EDRi, das Tor Project, Nextcloud, Brave und LineageOS. Was das für euer Gerät konkret heisst, haben wir in Android Entwickler-Verifizierung: euer Gerät ist egal auseinandergenommen; die längere Linie dahinter zeichnet Android: Die Fassade der Offenheit bröckelt nach.

Für F-Droid ist das keine Randnotiz, sondern eine Frage der Existenz. Ein Katalog, dessen Stärke gerade darin besteht, dass auch ein einzelner Entwickler ohne Firmenmantel und ohne Ausweisvorlage etwas veröffentlichen kann, verliert seinen Sinn, wenn genau das nicht mehr geht.

Grenzen von F-Droid

F-Droid ersetzt den Play Store nicht vollständig, und das ist kein Versehen. Weil nur freie Software aufgenommen wird, fehlen viele bekannte Apps schlicht. Wer Banking-App, Ticket-App und den Messenger des Arbeitgebers braucht, kommt um eine zweite Bezugsquelle nicht herum – etwa den Aurora Store.

Ausserdem verlangt F-Droid ein gewisses Mass an Einarbeitung. Wer versteht, was ein Repository ist und wann sich ein zusätzliches lohnt, holt deutlich mehr heraus als jemand, der die Standardansicht nie verlässt. Diese Hürde ist real, aber niedrig – und die Entdeckungsreise lohnt sich: Ein grosser Teil dessen, was auf F-Droid liegt, stammt von unabhängigen Entwicklern und kleinen Teams und findet sich in keinem kommerziellen Katalog. Eine Auswahl haben wir in Die besten Android Open Source Apps zusammengestellt.

Und F-Droid ist nicht über jede Kritik erhaben. Zu den Debatten um Signierschlüssel, Reaktionszeiten bei Sicherheitslücken und den Streit mit einzelnen Projekten haben wir einen eigenen Beitrag: F-Droid Sicherheitsbedenken und aktuelle Probleme.

Was ihr tun könnt

  • Installiert F-Droid Basic statt des klassischen Clients, wenn ihr Android 13 oder neuer nutzt und auf das Teilen in der Nähe verzichten könnt – unbeaufsichtigte Updates ohne Root sind den Wechsel wert.
  • Schaut euch bei jeder App die Anti-Features an, bevor ihr sie installiert. Sie stehen auf der Detailseite und sind die ehrlichste Beschreibung, die ihr in einem App Store bekommt.
  • Tragt die Repositories der Projekte ein, die euch wichtig sind. Ihr bekommt Updates schneller und hängt nicht an einer einzigen Quelle.
  • Prüft bei Apps, die ihr auch aus dem Play Store kennt, ob F-Droid sie als reproduzierbaren Build mit Entwicklersignatur führt. Dann könnt ihr die Bezugsquelle wechseln, ohne Daten zu verlieren.
  • Lest den offenen Brief auf keepandroidopen.org und unterstützt die Projekte, die ihr über F-Droid bezieht – mit Spenden, Fehlerberichten oder Übersetzungen. Ein Katalog ist nur so lebendig wie die Projekte darin.

Fazit: F-Droid ist kein Nischenladen, sondern die letzte offene Verteilkette

F-Droid war lange ein Angebot für Überzeugte: quelloffen, werbefrei, ein bisschen sperrig. Diese Beschreibung greift 2026 zu kurz. Solange Apps ohne Registrierung bei einem einzelnen Konzern verteilt werden können, gibt es auf Android überhaupt eine Alternative. Fällt diese Möglichkeit weg, ist es egal, wie gut ein alternativer Store gebaut ist – er hat dann nichts mehr zu verteilen.

Deshalb ist F-Droid installieren heute keine Geschmacksfrage mehr. Es ist die praktischste Art, den Unterschied zwischen einem offenen und einem genehmigungspflichtigen Betriebssystem selbst zu erleben – und der Aufwand dafür beträgt einen Download.

Quellen und weiterführende Links

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