Nextcloud App Alternative: Memories statt Fotos
Nextcloud Memories ist die Fotoverwaltung, die eurer Nextcloud ab Werk fehlt: eine Zeitleiste nach Aufnahmedatum, Alben, eine Karte, Gesichtserkennung und das Bearbeiten von Metadaten für viele Bilder auf einmal. Die App kommt aus dem Nextcloud App Store, läuft vollständig auf eurem eigenen Server und arbeitet mit den Fotos, die ohnehin schon in eurer Nextcloud liegen. Google Fotos sortiert eure Erinnerungen übrigens auch ganz gut. Es schaut sie sich dabei nur genauer an, als euch lieb sein kann. Hier erfahrt ihr, was Memories kann, wie es sich zur Standard-App Fotos verhält und wie ihr es einrichtet.

Was ist Nextcloud Memories?
Memories ist eine freie Nextcloud-App unter der AGPLv3, entwickelt von Varun Patil. Das Projekt selbst beschreibt sie als „batteries-included“ Fotoverwaltung. Die aktuelle stabile Version ist 9.0.1 vom 15.09.2026, und sie setzt laut Änderungsprotokoll Nextcloud 34 oder neuer voraus. Wer eine ältere Nextcloud betreibt, bekommt im Nextcloud App Store die passende ältere Linie angezeigt: 8.1.0 für Nextcloud 33, 7.8.2 für Nextcloud 29 bis 32.
Zeitleiste und Rückblick: Alle Fotos und Videos stehen chronologisch nach Aufnahmedatum, das Memories aus den Exif-Daten liest. Über die Leiste am rechten Rand springt ihr direkt zu einem bestimmten Zeitraum. In der Zeitleiste lässt sich ausserdem nach Favoriten, Alben oder Ordnern filtern.
Personen und Objekte: Habt ihr die Recognize App installiert und auf dem Server aktiviert, gruppiert Memories eure Fotos nach Gesichtern und erkannten Objekten. Alternativ unterstützt Memories die App Face Recognition, die das Projekt als Alpha-Stand mit mehr Einstellmöglichkeiten führt. Die Erkennung läuft in beiden Fällen auf eurem eigenen Server, nicht bei einem Anbieter.
Karte und Orte: Fotos mit GPS-Daten erscheinen auf einer Karte. Für die Zuordnung zu Städten und Regionen (Reverse Geocoding) bringt Memories eine eigene Ortsdatenbank mit, die ihr einmal einrichtet.
Alben und Teilen: Alben fassen Fotos und Videos zusammen und lassen sich mit anderen Nutzern eurer Nextcloud teilen, einzelne Bilder und Alben auch per Link mit Leuten ausserhalb.
Metadaten und Archiv: Aufnahmedatum und andere Metadaten lassen sich für viele Fotos gleichzeitig ändern. Bilder, die ihr nicht mehr in der Zeitleiste sehen wollt, verschiebt ihr ins Archiv. Dazu kommen Videotranskodierung und ein Import aus Google Takeout.
Nextcloud Memories vs. Photos: Ersatz oder Ergänzung?
Memories wird oft als Alternative zur Standard-App Fotos (Photos) vorgestellt, ersetzt sie aber nicht ganz. Die Konfigurationsanleitung des Projekts führt Photos ausdrücklich als nötig für die Albenfunktion. Wer von Photos kommt, muss laut derselben Anleitung nichts umziehen: Alben und Schlagwörter werden unverändert übernommen. Ihr lasst also beide Apps aktiv und benutzt Memories als Oberfläche.
Der praktische Unterschied liegt im Umgang mit vielen Bildern: Zeitleiste über die ganze Sammlung, Mehrfachauswahl, Karte, Bearbeiten von Metadaten im Stapel. Eure Ordnerstruktur bleibt dabei unangetastet, denn Alben verweisen nur auf die vorhandenen Dateien. Ihr könnt Bilder also weiterhin nach Datum sortiert in Ordner hochladen und die besten anschliessend in ein Album legen. Eine Ausnahme gibt es: Das Archiv verschiebt Dateien tatsächlich, und zwar in einen Ordner .archive an der Wurzel eurer Zeitleiste.
Voraussetzungen auf dem Server
Die Installationsanleitung nennt neben einer aktuellen Nextcloud diese Voraussetzungen:
- eine Datenbank mit MySQL, MariaDB oder PostgreSQL (ab Version 15),
- die PHP-Erweiterung Imagick,
- die Programme
ffmpegundffprobe, - einen verteilten Cache wie Redis.
Dazu empfiehlt die Konfigurationsanleitung die App Preview Generator und bezeichnet sie als nötig für eine gute Leistung. Wie ihr die Vorschaubilder damit vorab erzeugt, steht im Beitrag Nextcloud Previews regelmässig generieren lassen. Ausserdem muss der Hintergrunddienst eurer Nextcloud sauber laufen, weil Memories Dateien, die nicht über die Weboberfläche hereinkommen, über einen Hintergrundjob einliest. Die Einrichtung beschreibt der Beitrag Cronjob für eure Nextcloud erstellen; wie ihr Apps grundsätzlich installiert und aktuell haltet, steht unter Nextcloud-Apps installieren und aktuell halten.
Nextcloud Memories installieren und einrichten
Die App lässt sich über den App Store eurer Nextcloud nachrüsten. Klickt auf euer Profilbild, dann auf Apps, und wählt die Kategorie Multimedia. Dort findet ihr Memories. Die Bildschirmfotos in diesem Abschnitt stammen von Dezember 2023; Anordnung und Beschriftung können in neueren Versionen abweichen.
Klickt auf „Herunterladen und aktivieren“ und gebt falls nötig euer Passwort ein. Bereits vorhandene Fotos liest Memories danach am schnellsten über die Kommandozeile ein. Der Befehl steht so im README des Projekts; der Pfad zu eurer Nextcloud und der Webserver-Benutzer sind hier Beispiele für eine typische Debian- oder Ubuntu-Installation:
sudo -u www-data php /var/www/nextcloud/occ memories:index
Wer die Ortszuordnung nutzen will, richtet zusätzlich die Ortsdatenbank ein. Das geht in den Verwaltungseinstellungen im Abschnitt Memories oder mit:
sudo -u www-data php /var/www/nextcloud/occ memories:places-setup
Einen eigenen Cronjob für memories:index braucht ihr laut Konfigurationsanleitung nicht: Neue Uploads werden automatisch erfasst. Die meisten Einstellungen nehmt ihr seit Version 5 ohnehin in den Verwaltungseinstellungen unter Memories vor, das Projekt empfiehlt diesen Weg ausdrücklich.
Startet danach Memories über die App-Leiste oben im Browser und legt den Ordner fest, in dem eure Fotos liegen, zum Beispiel /Photos. Weitere Ordner könnt ihr später in den Einstellungen der App hinzufügen.
Alben erstellen und Fotos sammeln
Ein neues Album legt ihr unter Alben mit dem Plus-Symbol oben an und gebt ihm einen Namen. Danach wechselt ihr zurück in die Zeitleiste und wählt die Bilder aus: mit gedrückter Strg-Taste einzelne Bilder, mit der Umschalttaste einen ganzen Bereich vom ersten bis zum letzten angeklickten Foto.
Über die drei Punkte oben rechts wählt ihr dann aus, was mit den markierten Fotos passieren soll: in ein Album legen, als Favoriten markieren oder herunterladen. Das erspart euch das Zusammensuchen einzelner Dateien aus verschiedenen Ordnern.
Die Memories App für Android und iPhone
Für Android gibt es einen eigenen Client, den das Projekt im README als „early access“ bezeichnet. Er steht bei F-Droid (dort Version 1.15, ab Android 11), bei Google Play und auf GitHub bereit. Wie ihr F-Droid einrichtet, steht im Beitrag F-Droid Installation und Anwendung. Das Änderungsprotokoll zu Version 9.0.1 kündigt an, dass die nächste Android-Version mit älteren Memories-Versionen auf dem Server nicht mehr zusammenarbeitet. Haltet App und Server also im Gleichschritt.
Eine eigene iPhone-App nennt das Projekt nicht; auf dem iPhone benutzt ihr die Weboberfläche im Browser. Für das automatische Hochladen neuer Fotos verweist Memories auf die offiziellen Nextcloud-Apps für Android und iOS. Wie das auf Android aussieht, zeigen die Beiträge Einführung und Einrichtung Nextcloud für Android und Android Backup mit Nextcloud.
Wann Immich die bessere Wahl ist
Memories lohnt sich vor allem dann, wenn eure Fotos ohnehin in einer Nextcloud liegen: keine zweite Anwendung, keine zweite Benutzerverwaltung, keine zweite Kopie der Bilder. Umgekehrt holt ihr euch mit Memories die Anforderungen der ganzen Nextcloud ins Haus. Die Konfigurationsanleitung warnt ausserdem, dass die Videotranskodierung rechenintensiv und für einen Raspberry Pi nicht geeignet ist; ohne sie spielt Memories keine Videos ab.
Wer nur einen Ersatz für Google Fotos sucht und keine Nextcloud betreibt, ist mit einer eigenständigen Fotoplattform oft besser bedient. Wie das mit Immich geht, beschreibt der Beitrag Immich selbst hosten: Google Fotos ersetzen.
Fotos in die eigene Nextcloud statt zu Google?
Wir richten eure Nextcloud mit Memories ein
Installation auf eurer Hardware oder eurem Server, mit HTTPS, Vorschaubildern und automatischem Backup: für Zuhause CHF 390, fürs Büro ab CHF 1’200 (bis 15 Benutzer). Läuft eure Nextcloud schon, übernehmen wir die Server-Betreuung ab CHF 89 pro Server und Monat.
Wenn etwas nicht klappt
- Meldung „Der Vorschaugenerator ist nicht installiert und konfiguriert. Dies kann dazu führen, dass Memories sehr langsam ist.“: So steht es in der deutschen Übersetzung von Memories, wenn die App Preview Generator fehlt. Installiert sie und erzeugt die Vorschaubilder vorab, wie im Beitrag zum Preview Generator beschrieben.
- Ältere Fotos fehlen in der Zeitleiste: Bilder, die ihr per SFTP oder direkt ins Datenverzeichnis kopiert habt, kennt Nextcloud erst nach
occ files:scan, danach hilftocc memories:index. Seit Version 7.6.1 heisst die Option für einen einzelnen Ordner--pathstatt--folder. - Videos spielen nicht ab: Ohne eingerichtete Transkodierung spielt Memories keine Videos. Prüft die Einstellungen im Abschnitt Memories und das Protokoll unter
/tmp/go-vod/. - Orte bleiben leer: Die Ortsdatenbank ist nicht eingerichtet, oder eure Nextcloud läuft mit SQLite. Laut Konfigurationsanleitung funktioniert die Ortszuordnung nur mit MySQL, MariaDB oder PostgreSQL.
- Falsches Datum bei Fotos ohne Exif-Daten: Dann nimmt Memories die Serverzeit. Stellt die Zeitzone des Servers richtig ein.
- Memories lässt sich nicht installieren: Prüft eure Nextcloud-Version. Version 9 setzt Nextcloud 34 voraus, ältere Nextcloud-Versionen bekommen im App Store eine ältere Memories-Linie.
Fazit: Memories macht aus der Nextcloud ein Fotoalbum
Nextcloud Memories ist die naheliegende Wahl für alle, deren Fotos ohnehin in der eigenen Nextcloud liegen: Zeitleiste, Alben, Karte und Gesichtserkennung, ohne die Bilder einem Konzern zu überlassen. Die App ersetzt Photos nicht, sie setzt darauf auf, und sie verlangt einen ordentlich gepflegten Server mit Vorschaubildern, Cache und funktionierendem Hintergrunddienst. Wer das hat, bekommt eine Fotoverwaltung, bei der Google Fotos nur noch einen Vorteil behält: Es weiss mehr über euch.
Quellen und weiterführende Links
- Memories auf GitHub (README mit Funktionen, Installation und Mobil-Apps)
- Änderungsprotokoll von Memories (Version 9.0.1 vom 15.09.2026)
- Memories im Nextcloud App Store (Versionen je Nextcloud-Version)
- Memories: Installationsanleitung
- Memories: Konfigurationsanleitung
- Memories für Android bei F-Droid
- Recognize auf GitHub
- Face Recognition auf GitHub


