BLAKE2b Difficulty: viermal am Anschlag, dann gebremst
Die abgespaltene BIP-110-Kette hat seit dem Algorithmuswechsel fünf Difficulty-Anpassungen hinter sich, und vier davon sind an derselben Grenze hängengeblieben: dem Faktor vier, mehr lässt das Protokoll je Anpassung nicht zu. Die BLAKE2b Difficulty ist damit zwischen dem 1. und dem 12. September von 17.842.860 auf 3.417.233.412 gestiegen, das 191-Fache in elf Tagen. Als wir am 31. August unter BLAKE2b-Hard-Fork ist aktiv: was jetzt wirklich läuft über den Start berichtet haben, war die erste dieser Anpassungen noch der angekündigte Belastungstest. Sie ist vorbei, und die Zahlen dazu liegen offen.

Fünf Anpassungen der BLAKE2b Difficulty in elf Tagen
Die Betreiber der Informationsseite blake2bminer.com führen jede Anpassung mit Block, Zeitpunkt und Faktor auf. Sie betreiben dafür eine eigene mitvalidierende Node, und sie legen offen, dass ihnen BLAKE2b-Hardware gehört — das ist mehr Transparenz, als die meisten Fachmedien zum selben Thema aufbringen.
Der Wechsel selbst geschah am 30. August um 06:14 UTC bei Block 961.640. Bemerkenswert ist, wie er abgesichert wurde: Die Aktivierung verlangte laut der Statusseite der Kette eine Zeitungsschlagzeile im Coinbase-Eintrag des Blocks, "8-30 NYPost Deride And Conquer". Das ist dieselbe Geste wie im Genesis-Block von 2009 — nur dass sie hier technisch verhindern soll, dass jemand vorzeitig losrechnet.

Warum die erste Anpassung nach unten ging
Die erste Anpassung am 1. September senkte die Schwierigkeit um 41,3 Prozent. Das wirkt widersinnig, weil die Kette zu diesem Zeitpunkt längst wieder im Minutentakt Blöcke ausspuckte. Die Erklärung steckt im Messfenster: Eine Anpassung betrachtet die vergangenen 2.016 Blöcke, und in diesem Fenster lagen die drei Wochen Stillstand vom August, in denen die Abspaltung mit geerbter Difficulty ganze acht Blöcke zustande brachte. Gemessen wurde also überwiegend Stillstand. Wie dieser Mechanismus grundsätzlich arbeitet, steht in unserem Grundlagenbeitrag Was ist die Mining Difficulty.
Ab der zweiten Anpassung kehrte sich das um. Zwischen dem 1. und dem 2. September entstanden 2.016 Blöcke in rund siebzehn Stunden — vorgesehen sind dafür zwei Wochen. Die Difficulty hätte sich etwa verzwanzigfachen müssen. Sie durfte es nicht.
Der Anschlag bei Faktor vier steht seit 2009 im Code
Bitcoin begrenzt jede Anpassung auf den Faktor vier nach oben und ein Viertel nach unten. Die Stelle dazu steht unverändert in src/pow.cpp, unter dem Kommentar "Limit adjustment step":
if (nActualTimespan < params.nPowTargetTimespan/4)
nActualTimespan = params.nPowTargetTimespan/4;
if (nActualTimespan > params.nPowTargetTimespan*4)
nActualTimespan = params.nPowTargetTimespan*4;
Diese Bremse ist kein Versehen, sondern Absicht: Sie soll verhindern, dass ein kurzer Ausreisser bei den Zeitstempeln die Kette in eine Richtung katapultiert, aus der sie nicht mehr herauskommt. Die BLAKE2b-Kette hat vorgeführt, was passiert, wenn eine Kette weit unterhalb ihrer tatsächlichen Rechenleistung startet: Sie braucht vier volle Anpassungen, um den Rückstand aufzuholen, und jede davon dauert so lange, wie 2.016 Blöcke eben dauern.
Erst die fünfte Anpassung am 12. September fiel mit dem Faktor 2,99 unter den Anschlag. Das ist die eigentliche Meldung dieser Woche, und sie klingt unspektakulärer als sie ist: Die Difficulty hat die Hashrate eingeholt. Ab jetzt misst die Kette, was tatsächlich an ihr rechnet, statt hinterherzulaufen.
191-mal schwerer, aber nur rund zehnmal mehr Rechenleistung
An dieser Stelle ist eine Unterscheidung wichtig, die in mehreren Berichten untergeht. Die Difficulty ist um das 191-Fache gestiegen, die Rechenleistung nicht. Die Miner-Seite beziffert die Hashrate der Kette kurz nach der Aktivierung auf rund 3 PH/s und Mitte September auf etwa 31 PH/s — ein Faktor von ungefähr zehn. Der Rest des Anstiegs ist schlicht Aufholjagd: Die Kette startete mit einer Difficulty, die viel zu niedrig war, und die vier Anpassungen am Anschlag haben diesen Abstand abgetragen.
Wer aus der Difficulty-Kurve also einen Ansturm von Minern herausliest, liest eine Korrektur. Verzehnfacht hat sich die Rechenleistung trotzdem, und das ist für eine drei Wochen alte Kette beachtlich.
31 PH/s gegen 910 EH/s
Beachtlich heisst nicht sicher. Der Dienst CoinWarz schätzt die Hashrate des SHA-256d-Netzwerks am 14. September auf 910 EH/s. Das sind 910.000 PH/s. Die BLAKE2b-Kette bringt es auf etwa ein Dreissigtausendstel davon.
Diese Zahl ist deshalb entscheidend, weil sie den Preis eines Angriffs bestimmt. Wer die Mehrheit der Rechenleistung auf einer Kette stellt, kann Transaktionen zurückdrehen. Auf der Hauptkette kostet das den Aufbau einer Industrie; auf der BLAKE2b-Kette kostet es eine Bestellung gebrauchter Siacoin-ASICs, denn die Hardware ist nicht exotisch, sondern seit Jahren im Handel. Genau das ist der Punkt, an dem Proof of Work seine Schutzwirkung aus der Höhe der aufgewendeten Arbeit zieht und nicht aus dem Algorithmus.
Auch im direkten Vergleich bleibt der Abstand gewaltig: Die Hauptkette stand am 14. September bei einer Difficulty von 127,45 Billionen, die Abspaltung bei 3,4 Milliarden. Die beiden Zahlen sind nicht unmittelbar vergleichbar, weil dahinter verschiedene Algorithmen stecken. Vergleichbar ist, was sie kosten — und das führt zurück auf die 910 EH/s.
Die finale Fassung ist da, der Pull Request bleibt ein Entwurf
Zwei offene Punkte aus unserem Beitrag vom 31. August lassen sich jetzt beantworten. Erstens: Bitcoin Knots 29.4.1 ist erschienen, allerdings am 2. September statt wie angekündigt am 1. Die Release Notes nennen den Algorithmuswechsel nüchtern "BLAKE2b proof-of-work algorithm (mitigates ongoing attack)" und führen daneben die befristete Blockgrenze von 800 kWU sowie mehrere behobene CVEs auf. Zweitens: Der von Luke Dashjr in Aussicht gestellte Rücksetzer auf Block 961.639 wurde nicht gebraucht. Die Kette läuft seit der Aktivierung durch.
Was sich dagegen nicht bewegt hat, ist Pull Request 359, der den Wechsel technisch trägt. Er steht weiterhin auf Draft, letzte Aktivität am 15. August, und die drei gemeldeten Prüfbefunde sind unverändert offen. Die Kette produziert also seit gut zwei Wochen Blöcke nach Regeln, deren Vorschlag formal noch nicht einmal zur Prüfung freigegeben ist. Wer das für eine Formalie hält, möge sich vor Augen führen, dass es bei einem Konsensbruch keine zweite Runde gibt.
Ein Pool, eine Börse — und eine Warnung vor dieser Börse
Für alle, die auf der Hauptkette minen, ändert das alles nichts: Der Bitaxe zeigt weiter auf den Pool eurer Wahl, bei uns auf stratum+tcp://blitzpool.yourdevice.ch:3333, und die Übersicht dazu steht in der kleinen Bitcoin Solo Mining Bibel. Auf der Abspaltung hat sich die Lage dagegen sortiert. Neben den Kleinstpools der ersten Tage gibt es inzwischen reguläre Angebote: B2Pool betreibt einen TIDES-Pool mit einem Prozent Gebühr und einer Mindestauszahlung von 10.000 Satoshi, dazu einen Solo-Zweig. Das Fachmedium Cryptolexicon beschreibt mit AlphaPool einen weiteren Anbieter mit PPLNS, 2,5 Prozent Gebühr und vier Relays in den USA, Europa und Singapur, der mit Antminer A3 und Goldshell SC ohne eigene Firmware arbeitet.
Auf der Handelsseite ist das Bild dünner. Am 2. September berichtete Bitcoin.com News von einer einzigen Börse, die BTCB2 listet, bei einem Tagesumsatz von rund 94.100 US-Dollar und einer Handelsspanne von 80 bis 176 Dollar an einem einzigen Vormittag. Bemerkenswert ist weniger der Kurs als die Begleitmusik: Eine Informationsseite aus dem Umfeld der Kette rät im selben Bericht ausdrücklich zur Vorsicht gegenüber genau dieser Börse. Kursangaben aus einem solchen Markt sagen nichts über einen Wert, und wir führen sie hier nur an, weil unsere Feststellung vom 31. August, es gebe für die Coins schlicht keinen Preis, damit überholt ist.
Die Seed-Masche ist zurück
Mit dem Handel kommt die Betrugswelle. Cryptolexicon weist darauf hin, dass im Umfeld der Kette die Behauptung kursiert, für den Erhalt von BTCB2 sei der Import der privaten Schlüssel oder der Seed-Phrase nötig. Das ist falsch. Es ist dieselbe Masche wie bei jeder Abspaltung seit 2017, und sie funktioniert, weil sie technisch halb plausibel klingt.
Der Sachverhalt dahinter: Beide Ketten teilen ihre Geschichte, dieselben Schlüssel gelten auf beiden. Genau deshalb öffnet eine Seed-Phrase, die ihr irgendwo eingebt, nicht nur die Fork-Coins, sondern auch eure echten Bitcoin. Wer eine Seed besitzt, auf der noch Guthaben liegt, bringt sie nirgendwo ein — nicht bei einem Pool, nicht bei einer Börse, nicht in einer Wallet, die Fork-Coins verspricht. Wer alte Bestände tatsächlich bewegen will, räumt zuerst alle echten Bitcoin auf eine neue, frisch erzeugte Wallet und fasst die alten Schlüssel erst danach an.
Für den Umgang mit den zugehörigen Phishing-Mails gilt unverändert, was wir zum BitBox-Phishing mit gültiger DKIM-Signatur geschrieben haben: Eine technisch korrekte Absenderprüfung sagt nichts darüber, ob der Inhalt stimmt.
Was die deutschsprachige Berichterstattung am 2. September schrieb
Am 2. September, also am Tag der zweiten Difficulty-Anpassung, meldete das Fachportal IT Boltwise, der Hardfork sei am 1. September gestartet und "nach Stunden zusammengebrochen", er habe kaum Rechenleistung angezogen. Beides lässt sich an der Kette nachzählen: Der Start war der 30. August, und statt eines Zusammenbruchs hat die Kette an genau jenem 2. September ihre zweite Anpassung am oberen Anschlag genommen.
Das ist kein Detail für Erbsenzähler. Wer eine Kette für tot erklärt, die produziert, unterschätzt sie zwangsläufig auch dort, wo Vorsicht angebracht wäre — etwa bei der Frage, wer auf ihr bezahlt wird und mit welchen Coins. Umgekehrt gilt dasselbe: Eine Kette, die Blöcke ausspuckt, ist deswegen nicht sicher. Beide Fehler entstehen aus derselben Bequemlichkeit, nämlich die Zahlen nicht nachzusehen, obwohl sie öffentlich sind.
Was das für euch heisst
Für den Bestand in eurer Wallet ändert sich nichts. Die Hauptkette läuft unverändert weiter, eure Schlüssel gelten dort wie vorher, und es gibt keinen Schritt, den ihr wegen dieser Abspaltung unternehmen müsstet.
- Nichts tun ist eine vollständige Antwort. Wer die Fork-Coins nicht will, muss dafür nichts einrichten, nichts importieren und nichts abholen.
- Die Seed bleibt, wo sie ist. Kein Werkzeug, kein Pool und keine Börse braucht sie, um euch etwas gutzuschreiben. Wer danach fragt, will das Guthaben auf der Hauptkette.
- Beim Mining zählt die Hardware, nicht der Name. SHA-256-Geräte können auf der BLAKE2b-Kette nicht rechnen. Wer dort minen will, braucht BLAKE2b-Hardware, und wer dafür Geld ausgibt, kauft sich in eine Kette mit einem Dreissigtausendstel der Absicherung ein.
- Beim Empfang von Zahlungen lohnt der Blick auf die Kette. Wer Bitcoin annimmt, sollte wissen, welche Node seine Zahlungseingänge bestätigt. Die Projektseite fordert Börsen ausdrücklich auf zu sagen, welche Kette sie gutschreiben — solange das nicht überall geschieht, ist die Frage berechtigt.
Fazit: Die Difficulty hat aufgeholt, die Sicherheit nicht
Die Kette hat den Test bestanden, der Ende August offen war. Sie produziert Blöcke, sie hat fünf Anpassungen durchlaufen, ihre Rechenleistung hat sich verzehnfacht, die finale Software ist erschienen, und der befürchtete Rücksetzer blieb aus. Das ist mehr, als ihr die meisten zugetraut haben, uns eingeschlossen.
Nur misst die Difficulty nicht, ob eine Kette Bestand hat, sondern nur, wie schwer der nächste Block zu finden ist. 31 PH/s gegen 910 EH/s, ein Pull Request im Entwurfsstadium, eine Börse mit Warnhinweis: Das ist der Stand nach elf Tagen Aufholjagd. Unsere Einschätzung vom 2. Juli bleibt deshalb unverändert. Eine Kette, deren gesamte Absicherung sich in zwei Wochen nachkaufen lässt, hat kein Difficulty-Problem gelöst, sondern nur ihr Blockproduktionsproblem — und das war nie das teure von beiden.
Die nächste Anpassung fällt bei Block 973.728 an. Wenn die Rechenleistung bleibt, dauert das diesmal die vorgesehenen zwei Wochen. Dann steht zum ersten Mal eine Zahl da, die nichts mehr aufholt, sondern etwas aussagt.
Quellen und weiterführende Links
- blake2bminer.com, Difficulty — alle fünf Anpassungen mit Block, Zeitpunkt und Faktor
- blake2bminer.com, Status — Aktivierung, Coinbase-Schlagzeile, Anschlag bei Faktor vier
- blake2bminer.com, Hashrate — Verlauf von rund 3 auf etwa 31 PH/s, Hardwarezahlen
- bitcoinknots/bitcoin, Release 29.4.1 und die zugehörigen Release Notes
- bitcoinknots/bitcoin, Pull Request 359 — Status Draft, letzte Aktivität 15.08.2026
- bitcoin/bitcoin, src/pow.cpp — die Begrenzung jeder Anpassung auf Faktor vier
- bitcoin-blake2b.org, FAQ — Datenlimits bis 1. September 2027, SIGHASH_UNIFIED, Hardware, Aufforderung an Börsen
- CoinWarz, Bitcoin Hashrate — Schätzung von 910 EH/s am 14.09.2026
- B2Pool — TIDES- und Solo-Mining auf der BLAKE2b-Kette
- Bitcoin.com News, 02.09.2026 — Listung, Umsatz und Warnhinweise
- Cryptolexicon — AlphaPool und die Seed-Falschbehauptung
- IT Boltwise, 02.09.2026 — der Bericht vom Zusammenbruch, gegen den sich die Zahlen halten lassen