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LG Smart TV Überwachung: Warum LGs Dementi nur eine Ausrede ist

"We own the glass. We own the TV." Mit diesem Satz hat Serge Matta, Präsident von LG Ad Solutions, das Verhältnis seines Konzerns zu den Fernsehern in euren Wohnzimmern beschrieben, zu sehen in der Recherche von Gamers Nexus. Seit dem 6. September 2026 wissen wir ziemlich genau, was er damit meint. Eine über zweistündige Untersuchung von Gamers Nexus zusammen mit Level1Techs und zwei unabhängigen Sicherheitsforschern zeigt: LG-Fernseher inventarisieren euer Heimnetz, protokollieren Sprachbefehle samt Nachlauf im Klartext und sind erschreckend leicht angreifbar.

Ausgeschalteter Fernseher in einem dunklen Wohnzimmer, von dem feine Datenlinien zu Smartphone, Laptop und Lautsprecher führen

LG hat inzwischen reagiert, wie unter anderem CHIP berichtet. Mit einem Dementi, das bei genauem Lesen vor allem eines ist: eine Ausrede. In diesem Beitrag ordnen wir ein, was bei der LG Smart TV Überwachung belegt ist, was LG bestreitet, was LG verschweigt, und wir zeigen euch, wie ihr einen LG-Fernseher, der schon bei euch steht, per VLAN und Firewall-Regeln vom Internet und vom restlichen Heimnetz aussperrt.

Was die Recherche von Gamers Nexus zeigt

Gamers Nexus hat mehrere LG-OLED-Fernseher aus dem US-Handel untersucht, darunter das aktuelle Flaggschiff G5. Nach eigenen Angaben flossen über 500 Arbeitsstunden und mehr als 70'000 US-Dollar in das Projekt. Getestet wurde mit Paketmitschnitten und Firmware-Analysen, zusammen mit den Sicherheitsforschern MrBruh und uturn sowie Wendell von Level1Techs. Die Kernbefunde:

Was man fairerweise sagen muss

Wer kritisch berichtet, muss präzise sein. Die dauerhafte Nutzung des Fernsehers als Wanze im Standby setzte in den gezeigten Szenarien eine Kompromittierung des Geräts voraus. Im Normalbetrieb geht es um die Protokollierung rund um Sprachbefehle. Auf dem von Wendell analysierten G5 war der ACR-Dienst zum Zeitpunkt der Untersuchung konfiguriert, aber nicht aktiv. Und die Zahl 216 Millionen ist kein Mass für belegte Abhörfälle, sondern LGs eigene Marketingzahl für die weltweite Smart-TV-Basis, in den USA sind es 49 Millionen Geräte. Getestet wurden US-Geräte; ob sich europäische Firmware identisch verhält, ist damit nicht belegt.

Genau diese Präzision fehlt aber in LGs Antwort. Denn das Problem ist nicht, dass LG nachweislich jedes Wohnzimmer rund um die Uhr abhört. Das Problem ist, dass LG ein Gerät gebaut hat, das es könnte, das Daten sammelt, die es für seine Funktion nicht braucht, und dessen Sicherheit so schwach ist, dass Dritte die Kontrolle übernehmen können.

LGs Dementi im Faktencheck

LG eröffnet seine Stellungnahme mit dem Satz, die Behauptungen im Video seien "nicht wahr". Liest man weiter, bleibt davon erstaunlich wenig übrig. LG bestätigt in derselben Mitteilung zwei zentrale Vorwürfe und schweigt zu mehreren anderen. Die vollständige Stellungnahme hat Tom's Hardware veröffentlicht.

Faktencheck zur LG-Stellungnahme: was LG bestätigt, was LG bestreitet und wozu LG schweigt

Ausrede 1: "Keine Aufzeichnung von Umgebungsgesprächen"

LG betont, Sprachdaten würden nur verarbeitet, wenn die Mikrofontaste gedrückt oder "Hi LG" erkannt werde. Ansonsten zeichne der Fernseher keine Gespräche auf, nicht erkanntes Audio werde lokal verarbeitet und sofort gelöscht. Das ist ein klassisches Strohmann-Dementi. Der zentrale Befund war nicht, dass der TV permanent alles an LG streamt. Der Befund war, dass er nach einem Befehl weiter zuhört, das Gesagte transkribiert und im Klartext speichert. Genau dazu sagt LG nichts: Tom's Hardware hält ausdrücklich fest, dass LG auf die Klartext-Transkripte und weitere Punkte nicht eingegangen ist. Wer 10 bis 15 Sekunden Raumgespräch nach einem "Hi LG" protokolliert, zeichnet Umgebungsgespräche auf, egal wie die Pressestelle es nennt.

Und nebenbei bestätigt LG, dass der Fernseher im Standby auf das Weckwort lauscht, sofern die Fernfeld-Spracherkennung aktiv ist. "Ausgeschaltet" heisst bei LG also nicht aus. Der Informatiker Yash Vekaria von der UC Davis bringt den Kern auf den Punkt: Ein Sprachbefehl ist nur in Echtzeit nützlich. Wird Audio für einen späteren Upload zurückgehalten, dient es vermutlich einem anderen Zweck, etwa Analyse oder Training, und LG solle erklären, welchem. Diese Erklärung bleibt LG schuldig.

Ausrede 2: "Der Netzwerk-Scan ist eine Standardfunktion"

LG räumt den Scan des Heimnetzes ein und nennt ihn eine Funktion, die Smart-TVs und Smart-Home-Geräte üblicherweise mitbringen. Geräteerkennung für Screen-Mirroring braucht es tatsächlich. Nur: Erkennen ist nicht Inventarisieren. Um euer Smartphone als Cast-Quelle anzubieten, muss der Fernseher weder den Hersteller eures Thermostats noch die Namen der WLANs eurer Nachbarn protokollieren. Anna Maria Mandalari vom University College London weist darauf hin, dass solche Daten die Zusammensetzung eines Haushalts offenlegen und ein breiteres Profil der Bewohner ermöglichen.

Dass es genau darum geht, sagt LG Ad Solutions selbst. Julian Zilberbrand, dort für Datenlösungen verantwortlich, erklärte 2025, man wisse, wer im LG-Haushalt lebt und welche Geräte dort stehen. In den USA wirbt die Sparte mit 363 Millionen erreichbaren Zweitgeräten bei 49 Millionen Fernsehern. Eine "Standardfunktion" ist der Scan nur, wenn das Geschäftsmodell Werbung heisst.

Ausrede 3: "ACR ist Opt-in"

LG schreibt, Inhaltserkennung, Sprachdienste und interessenbasierte Werbung erforderten jeweils eine separate, ausdrückliche Zustimmung. Zwei Tatsachen relativieren das deutlich. Erstens hat sich LG im Mai 2026 in einem Vergleich mit dem Generalstaatsanwalt von Texas verpflichtet, ACR-Daten nicht mehr ohne informierte Zustimmung zu sammeln und dafür eine Pop-up-Erklärung einzubauen. Wer so etwas unterschreibt, hat es vorher offensichtlich nicht so gehandhabt, wie er es heute darstellt.

Zweitens zeigte der Test von Gamers Nexus ein differenziertes, aber wenig schmeichelhaftes Bild: Ohne akzeptierte Vereinbarungen übertrug das Testgerät zwar keine ACR-Daten, kontaktierte aber trotzdem LG-Werbe-Endpunkte und scannte weiter das Netz. Laut der Firmware-Analyse sendet der Fernseher beim Opt-out zudem einen letzten vollständigen Datenstand an Alphonso, und die angeblich anonyme Geräte-ID lässt sich mit dem modellspezifischen Schlüssel auf die MAC-Adresse zurückführen. Ein Opt-in, das beim Nein nochmals alles mitnimmt, verdient den Namen nicht.

Ausrede 4: "Datensicherheit hat höchste Priorität"

LG versichert, man überwache die Plattform kontinuierlich und arbeite mit unabhängigen Sicherheitsexperten zusammen. Dem stehen die Befunde gegenüber: eine Angriffskette, bei der laut Gamers Nexus ein einziger Klick auf eine gefälschte Kopplungsanfrage für Root-Zugriff genügt, ein Update-Mechanismus mit hart kodierter IP-Adresse und HTTP ohne Verschlüsselung, und ein physischer Mikrofonschalter, der nur das eingebaute Mikrofon abschaltet, während Fernbedienung, USB-Webcam oder Bluetooth-Geräte mit Root-Zugriff weiter mitgeschnitten werden konnten. Vekaria warnt, dass Fernseher oft jahrelang über das Ende ihres Update-Supports hinaus im Einsatz sind und schnelle Patches deshalb entscheidend sind. Einen konkreten Patch-Termin nennt LG nicht.

Ausrede 5: "Transparenz" und Absage an Dark Patterns

LG betont, man lehne irreführende Praktiken ab und setze sich für Transparenz ein. Gleichzeitig hat LG am 28. Juli 2026 seine US-Nutzungsbedingungen um eine verbindliche Schiedsklausel ergänzt, die den Weg vor ordentliche Gerichte einschränkt. Das geschah rund zwölf Tage, nachdem Gamers Nexus ein erstes Video zu LG veröffentlicht hatte. Transparenz sieht anders aus. Wer seinen Kunden vorsorglich den Gerichtsweg verbaut, rechnet offenbar mit Klagen.

Wer die Daten auswertet: LG Ad Solutions

LG Ad Solutions ist aus dem Datenunternehmen Alphonso hervorgegangen, an dem LG 2021 die Mehrheit übernommen hat; in LGs Vereinbarungen wird Alphonso als Partner genannt, der Sehdaten für Werbung erhebt und nutzt. Geführt wird die Werbesparte von Serge Matta. Die US-Börsenaufsicht SEC warf ihm und seinem früheren Arbeitgeber Comscore 2019 vor, Umsätze um rund 50 Millionen Dollar überhöht ausgewiesen zu haben. Matta einigte sich mit der SEC, ohne die Vorwürfe anzuerkennen oder zu bestreiten, zahlte 700'000 Dollar Busse, 2,1 Millionen an Comscore zurück und darf zehn Jahre lang keine börsenkotierte Firma führen (SEC-Verfügung). LG Ad Solutions ist nicht börsenkotiert.

Daraus muss man keine Verschwörung ableiten. Aber es sagt einiges über das Vertrauen aus, das ihr einem Konzern entgegenbringen sollt, dessen Datensparte so aufgestellt ist und dessen Chef öffentlich erklärt, der Bildschirm in eurem Wohnzimmer gehöre LG. Wer sehen will, wohin Profilbildung im grossen Stil führen kann, findet in unserem Beitrag zum Cambridge-Analytica-Skandal ein lehrreiches Beispiel.

Kein Einzelfall: ACR ist ein Branchenproblem

LG ist nur der aktuell am besten dokumentierte Fall. Vizio zahlte bereits 2017 2,2 Millionen Dollar an die FTC und den Staat New Jersey, weil es auf 11 Millionen Fernsehern ohne Zustimmung Sehgewohnheiten erfasst hatte. Im Dezember 2025 verklagte Texas Sony, Samsung, LG, Hisense und TCL wegen ACR; laut Klage können die Systeme alle 500 Millisekunden ein Bildschirmfoto auswerten. Eine wissenschaftliche Studie von 2024 hat ACR-Tracking auf Smart-TVs systematisch nachgewiesen. Gamers Nexus hat angekündigt, als Nächstes Geräte weiterer Hersteller zu testen. Wer jetzt einfach die Marke wechselt, wechselt deshalb meist nur den Datensammler.

Und in der Schweiz?

In der EU ist die Lage vergleichsweise klar: DSGVO und das deutsche TDDDG verlangen eine aktive Einwilligung, bevor ein Gerät Daten ausliest oder speichert. In der Schweiz ist das anders. Das Datenschutzgesetz kennt kein grundsätzliches Einwilligungserfordernis, auch nicht beim Profiling. Nur wenn eine Bearbeitung auf eine Einwilligung gestützt wird und es um ein "Profiling mit hohem Risiko" geht, muss diese nach Art. 6 Abs. 7 DSG ausdrücklich erfolgen. Dazu kommt die Pflicht zu datenschutzfreundlichen Voreinstellungen nach Art. 7 DSG.

Ob die Kombination aus Sehverhalten, Geräte-Inventar und Haushaltsprofil als Profiling mit hohem Risiko gilt, ist bisher nicht gerichtlich geklärt. Unsere Einschätzung, ausdrücklich keine Rechtsberatung: Daten, die offenlegen, wer in einem Haushalt lebt, was er schaut und welche Geräte er besitzt, betreffen wesentliche Aspekte der Persönlichkeit. Der Vergleich mit Texas gilt jedenfalls nur für Texas. Wer sich beschweren will, kann sich an den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) wenden. Dass die Schweiz bei der Regulierung grosser Tech-Konzerne gerne hinterherhinkt, haben wir schon beim Digital Markets Act beschrieben.

Ihr habt schon einen LG-Fernseher? So sperrt ihr ihn aus

Wegwerfen muss niemand etwas. Die Panels von LG sind hervorragend, das Problem ist die Software. Das Ziel ist deshalb, aus dem Smart-TV ein möglichst dummes Display zu machen. Je nachdem, wie viel Netzwerk-Know-how und welche Hardware ihr habt, gibt es drei Stufen.

Stufe 1: Einstellungen (das Minimum, das nicht reicht)

Diese Schritte kosten ein paar Minuten und reduzieren die Datensammlung. Die Menüpfade unterscheiden sich je nach webOS-Version leicht:

  • Live Plus (ACR) deaktivieren: Einstellungen → Allgemein → System → Zusätzliche Einstellungen → Live Plus aus (Anleitung mit Pfaden).
  • Benutzervereinbarungen widerrufen: Einstellungen → Support → Datenschutz & Bedingungen → Benutzervereinbarungen, alle optionalen Vereinbarungen ablehnen.
  • Werbung und Werbe-ID: interessenbasierte Werbung abschalten und die Werbe-ID zurücksetzen.
  • Sprachdienste komplett aus: Fernfeld-Spracherkennung und Sprachassistent im Menü für KI-Dienste deaktivieren, nicht nur per Fernbedienung stummschalten. Nach LGs eigener Darstellung lauscht der TV dann im Standby nicht mehr.

Verlassen solltet ihr euch darauf nicht. Die Forscher konnten deaktivierte Sprachfunktionen über die Kommandozeile wieder einschalten, und Updates oder neue Nutzungsbedingungen können Einstellungen zurücksetzen. Menüschalter sind ein Versprechen des Herstellers, keine technische Garantie.

Stufe 2: Kein Netzwerk, eigener Zuspieler

Die klarste Lösung empfiehlt auch Wendell von Level1Techs als erste Wahl: alle Vereinbarungen ablehnen und den Fernseher als dummes Display nutzen. Netzwerkkabel ab, gespeicherte WLAN-Profile löschen, WLAN deaktivieren. Achtet darauf, dass der TV sich nicht in offene WLANs oder Community-Hotspots des Providers einbucht, auf diese Falle weisen die Forscher ausdrücklich hin. Gestreamt wird über ein externes Gerät, das ihr kontrolliert, etwa einen kleinen Linux-PC mit Kodi oder einem Jellyfin-Client. Bedenkt dabei: Auch gängige Streaming-Sticks sammeln Daten. Ein Tausch des Datensammlers ist kein Gewinn.

Wichtig: Einmal offline heisst dauerhaft offline. Da das Testgerät Audio lokal puffert und nach der Wiederverbindung hochlädt, holt ein kurzes "nur schnell ein Update" im Zweifel alles nach, was sich angesammelt hat.

Stufe 3: Eigenes VLAN und Firewall-Regeln

Wer eine richtige Firewall wie pfSense, OPNsense oder OpenWrt betreibt, kann den Fernseher gezielt einsperren. Das ist die Lösung für alle, die ihn nicht komplett offline nehmen wollen oder mehrere Smart-Geräte im Haus haben. Das Prinzip: Der TV bekommt ein eigenes Netz, sieht eure anderen Geräte nicht mehr, darf nur euren eigenen DNS-Resolver fragen und kommt standardmässig nicht ins Internet. Falls ihr mit VLANs noch nicht vertraut seid, lest vorher unseren Beitrag Was ist ein VLAN.

Netzwerkschema: Der Fernseher steht in einem eigenen IoT-VLAN, die Firewall blockiert den Zugriff ins Heimnetz, fremde DNS-Server und die LG-Endpunkte

1. IoT-VLAN anlegen. Legt ein eigenes VLAN für den Fernseher an, zum Beispiel VLAN 30, und hängt den TV per Kabel an einen Switch-Port in diesem VLAN. WLAN am Fernseher aus. Allein damit ist der Netzwerk-Scan entschärft: Der TV findet in seinem Segment nichts ausser sich selbst. Schaltet mDNS- und SSDP-Weiterleitungen (etwa den Avahi-Reflector) zwischen den Netzen ab. Der Preis dafür: Casting vom Smartphone funktioniert dann nicht mehr.

2. DNS erzwingen. Manche webOS-Firmwares ignorieren den per DHCP verteilten DNS-Server und fragen hart kodiert bei 8.8.8.8 oder ähnlichen Resolvern. Eine NAT-Regel leitet deshalb jede DNS-Anfrage aus dem IoT-Netz auf euren eigenen Resolver um. DNS-over-TLS und DNS-over-QUIC laufen über Port 853 und werden gesperrt. Gegen DNS-over-HTTPS hilft eine Sperrliste bekannter DoH-Server; pfBlockerNG bringt dafür eine eigene Option mit.

3. Hart kodierte IP-Adressen sperren. Das Update-Programm nutzt als Rückfallebene die feste Adresse 156.147.69.32 auf Port 8080, genau dann, wenn die DNS-Auflösung scheitert. Zusätzlich beobachtete Wendell eine Telemetrie-Verbindung zu 54.186.247.229 bei AWS. Diese Adressen erwischt keine DNS-Sperre, nur die Firewall. AWS-Adressen können sich ändern, prüft das also regelmässig.

4. Regeln setzen. Ein Beispiel für pfSense, auf dem Interface des IoT-VLANs, die Reihenfolge ist entscheidend:

# Aliase (Firewall → Aliases)
LG_HARDCODED  = 156.147.69.32, 54.186.247.229
RFC1918       = 10.0.0.0/8, 172.16.0.0/12, 192.168.0.0/16

# NAT → Port Forward (Interface IOT): DNS-Umleitung
IOT net  →  !IOT address  TCP/UDP 53   Redirect target 127.0.0.1 : 53

# Firewall → Rules → IOT
1  Pass    IOT net → IOT address     TCP/UDP 53     DNS nur zum eigenen Resolver
2  Reject  IOT net → LG_HARDCODED    any            hart kodierte LG-Adressen
3  Reject  IOT net → any             TCP/UDP 853    DoT / DoQ
4  Reject  IOT net → RFC1918         any            kein Zugriff aufs Heimnetz
5  Pass    IOT net → any             TCP 80,443     NUR falls Apps gebraucht werden
6  Reject  IOT net → any             any            alles andere

Ein paar Hinweise dazu. Nutzt Reject statt Block: Bei stillem Verwerfen wartet der Fernseher beim Start auf Timeouts und wird zäh, ein Tipp aus der Level1Techs-Community. Vergesst IPv6 nicht: Entweder deaktiviert ihr IPv6 im IoT-VLAN oder ihr spiegelt alle Regeln für IPv6. Sonst läuft der Verkehr einfach an euren IPv4-Regeln vorbei. Wer den TV ganz offline will, lässt Regel 5 weg. Bei OPNsense funktioniert das identisch, bei OpenWrt legt ihr eine eigene Zone "iot" an, verbietet das Forwarding ins LAN und ins WAN und leitet Port 53 per Redirect-Regel auf den Router um.

5. Falls ihr doch Apps braucht: DNS-Sperrliste. Wer Regel 5 aktiv lässt, sollte die LG-Endpunkte im eigenen Resolver sperren, zum Beispiel mit Pi-hole, AdGuard Home oder dem DNS-Resolver von pfSense. Wendells auf einem G5 verifizierte Liste umfasst unter anderem:

# Telemetrie
nextlgsdp.com
lgtvcommon.com
# Werbung
lgsmartad.com
# ThinQ / IoT
lgtviot.com
lgthinq.com
# OS-Updates (bewusst, siehe unten)
snu.lge.com
su.lge.com
su-ssl.lge.com
nsu.lge.com
# KI-Plattform
ngfts.lge.com

# NICHT pauschal lge.com sperren, sonst fällt der Content Store aus.
# lgtvsdp.com und lgappstv.com sperren nur, wenn ihr auf den Store verzichtet.

Gepflegte Sperrlisten in Stufen gibt es auch als Community-Projekt auf GitHub. Rechnet damit, dass LG Domains ändert. Eine DNS-Sperre ist ein Katz-und-Maus-Spiel, die Default-Deny-Regel der Firewall nicht.

Kontrolle: Vertrauen ist gut, Mitschnitt ist besser

Prüft nach der Einrichtung, ob der Fernseher wirklich schweigt. Im Query-Log von Pi-hole oder im Firewall-Log seht ihr, welche Domains angefragt und welche Verbindungen abgewiesen werden. Hart kodierte IP-Adressen tauchen im DNS-Log nicht auf, dafür braucht ihr einen Blick auf den Verkehr selbst, etwa mit tcpdump auf dem IoT-Interface. Wie das geht, zeigen wir in Netzwerkverkehr mit tcpdump überwachen.

# alles vom TV ausser DNS anzeigen (Interface und IP anpassen)
tcpdump -ni igb0.30 host 192.168.30.20 and not port 53

Was die Firewall nicht kann

Eine Firewall verhindert, dass Daten das Haus verlassen. Sie verhindert nicht, dass der Fernseher lokal protokolliert oder bei aktiver Spracherkennung auf das Weckwort lauscht. Deshalb gehören Stufe 1 und Stufe 3 zusammen. Und es bleibt ein ehrliches Dilemma: Wer Updates sperrt, bekommt auch keine Sicherheitspatches für die gefundenen Lücken. Für einen Fernseher ohne jeden Internetzugang ist das vertretbar, denn die gezeigten Angriffe brauchen Netzwerkzugang, den Browser oder eine Kopplungsanfrage. Wer den TV mit Apps online betreibt, sollte Updates gezielt freigeben, sobald LG die Lücken schliesst, und die Sperre danach wieder aktivieren.

Für sehr erfahrene Nutzer gibt es noch eine vierte Stufe: den Fernseher mit Werkzeugen der webOS-Homebrew-Community rooten und die Einwilligungen direkt in den Konfigurationsdateien ablehnen. Wendell beschreibt das mitsamt Skripten. Das geschieht auf eigenes Risiko, ein Werksreset setzt alles zurück, und ein Firmware-Update kann den Root-Zugang jederzeit schliessen. Die Firewall auf eurem Router ist die einzige Schicht, die jeden Reset überlebt.

Häufige Fragen zur LG Smart TV Überwachung

Hört mein LG-Fernseher mich ab?

Belegt ist, dass LG-Fernseher bei aktiver Fernfeld-Spracherkennung auch im Standby auf das Weckwort lauschen und nach einem Befehl weitere Sekunden mitprotokollieren. Ein permanentes Abhören des Raumes wurde im Normalbetrieb nicht nachgewiesen, war aber nach einer Kompromittierung des Geräts technisch möglich. Wer die Sprachdienste nicht nutzt, sollte sie komplett abschalten.

Reicht es, Live Plus auszuschalten?

Nein. Live Plus stoppt nach LGs Angaben die Nutzung der ACR-Daten für Werbung. Netzwerk-Scan, Kontakt zu Werbe-Endpunkten und Telemetrie laufen laut den Tests auch ohne akzeptierte Vereinbarungen weiter. Nur ein Fernseher ohne Internetzugang oder hinter einer restriktiven Firewall ist wirklich still.

Hilft der Mikrofonschalter am Fernseher?

Nur teilweise. Der Schalter deaktiviert das eingebaute Mikrofon. Die Forscher konnten mit Root-Zugriff trotzdem über die Fernbedienung, angeschlossene USB-Webcams oder Bluetooth-Geräte mitschneiden. Entfernt deshalb nicht benötigtes Zubehör mit Mikrofon.

Sind Fernseher anderer Hersteller besser?

Nicht grundsätzlich. ACR setzen praktisch alle grossen Hersteller ein, Texas hat neben LG auch Samsung, Sony, Hisense und TCL verklagt. Die hier beschriebenen Firewall-Massnahmen funktionieren herstellerunabhängig und sind für jeden Smart-TV sinnvoll. Weitere Grundlagen findet ihr in unserem Ratgeber zum Schutz der Privatsphäre.

Fazit: Holt euch das Glas zurück

LGs Stellungnahme widerlegt vor allem Vorwürfe, die in dieser Form niemand erhoben hat, bestätigt nebenbei den Netzwerk-Scan und das Lauschen im Standby und schweigt zu allem, was wirklich unangenehm ist: Klartext-Protokolle, Datenverkehr ohne Zustimmung, hart kodierte Update-Adressen und kritische Sicherheitslücken. Das ist keine Aufklärung, das ist Schadensbegrenzung. Wer kurz vorher die Nutzungsbedingungen um eine Schiedsklausel ergänzt und sich in Texas zu einem Einwilligungsdialog verpflichten lassen musste, kann sich nicht glaubwürdig auf Transparenz berufen.

"We own the glass", sagt LG Ad Solutions. Die Antwort darauf ist nicht Empörung, sondern Technik: Nehmt dem Fernseher den Blick ins Netz. Ein eigenes VLAN, eine Default-Deny-Regel und ein erzwungener DNS-Resolver sind an einem Nachmittag eingerichtet und machen aus dem Datensammler das, was ihr eigentlich gekauft habt: einen sehr guten Bildschirm. Und beim nächsten Kauf lohnt sich die Frage, ob es wirklich ein Smart-TV sein muss.

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